-
27.10.1997
- → Inland
LPG übernimmt junge Welt
Ab dem 1. Januar 1998 wird die von Abonnenten und Mitarbeitern der Tageszeitung junge Welt am 7. Oktober 1995 gegründete gleichnamige Genossenschaft (LPG junge Welt) den Verlag und die dazugehörige Zeitung übernehmen. Damit vollzieht sich eine Entwicklung, die seit langem geplant war und am Sonnabend in Berlin von der Vollversammlung der Genossenschaftsmitglieder bestätigt wurde. Erstmals in der Geschichte der Tageszeitung junge Welt wird damit die Verantwortung für Blatt und Verlag auf eine derart breite Basis gestellt. Dieser Schritt bedeutet nicht nur einen Wechsel des Eigentums an der Zeitung, sondern er ist lebensnotwendig für deren weiteres Erscheinen und Wachsen. Die Genossenschaft als Eigentümerin des Verlages hat wesentlich mehr Möglichkeiten, die Zeitung wirtschaftlich zu stützen, als das mit einer einfachen GmbH-Konstruktion machbar war. Je mehr Mitglieder der LPG junge Welt beitreten und sie mit der Einbringung ihrer Genossenschaftsanteile stärken, um so wirkungsvoller kann diese der Zeitung helfen, Stabilität zu sichern und auch finanzielle Durststrecken zu überstehen.
Mindestens 150 weitere Genossenschaftler sollen die Mitgliederbasis der LPG junge Welt im Jahr 1998 stärken. Auf der Vollversammlung wurde deutlich, daß das große Engagement der Mitglieder Gewähr dafür bietet, weit über die Rolle eines Lesers oder Abonnenten der Tageszeitung junge Welt hinaus für das politische und publizistische Projekt wirksam zu werden. Die Werbung neuer Abonnenten gehört ebenso dazu wie die Gewinnung weiterer Genossenschaftsmitglieder sowie die aktive Teilnahme an der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen und Aktionen der jungen Welt.
Die jW ist mehr als eine linke Tageszeitung. Sie ist mit ihrer Genossenschaft und dem Verlag Organisator und Forum des politischen Diskurses, ermöglicht das Aufeinandertreffen kontroverser Ansichten und schafft Gegenöffentlichkeit außerhalb der bürgerlichen Medien. Gewähr dafür bietet nicht zuletzt ihre Verbreitung bei über dreißigtausend Leserinnen und Lesern.
Die Vollversammlung der Genossenschaft verabschiedete außerdem den Wirtschaftsplan für das kommende Jahr und sprach dem Geschäftsführer des Verlages 8. Mai mit großer Mehrheit das Vertrauen aus.
(jW)
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
