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20.11.2013
- → Schwerpunkt
Chronologie: Behördenversagen
Am 1. Juni 2012 erscheint in der jungen Welt der erste Bericht in einem Printmedium über die Zustände in Heimen der Haasenburg GmbH im Land Brandenburg. Bereits am 24. April 2012 hatte das ZDF-Politmagazin »Frontal 21« über das Geschäftsmodell des Heimbetreibers berichtet, der pro Jugendlichem 300 bis 500 Euro am Tag kassierte.
Am 15. Juni 2013 berichtet die tageszeitung ausführlich über die auf »Verhaltenslöschung« zielenden »Erziehungs«methoden in den Haasenburg-Heimen. Ein Exmitarbeiter hatte dem Blatt Tausende Seiten interner Protokolle zugespielt, mehrere ehemalige Insassen hatten über traumatische Erlebnisse berichtet.
Am 17. Juni kündigt das brandenburgische Bildungsministerium die Einsetzung einer Untersuchungskommission an. Sie wird am 28. Juni einberufen.
Am 4. Juli durchsuchen 50 Polizisten und vier Staatsanwälte die Haasenburg-Einrichtungen sowie ein Bürogebäude und stellen zahlreiche Akten sicher. Am 9. Juli verhängt Ministerin Martina Münch (SPD) einen Belegungsstopp, zugleich werden drei Mitarbeiter suspendiert.
Am 10. Juli berichtet die taz, das Landesjugendamt sei schon 2006 von Haasenburg-Mitarbeitern über gesetzwidrigen Medikamenteneinsatz und Fixierungen informiert worden. Einzige Konsequenz: Einer der Whistleblower wurde entlassen, weil das Amt gegenüber dem Heimbetreiber seine Identität preisgab.
Am 16. Juli kündigt die Haasenburg GmbH Klage gegen den Belegungsstopp an.
Am 29. August hebt Ministerin Münch diesen für das Heim in Neuendorf (Spreewald) wieder auf.
Am 30. Oktober übergibt die Untersuchungskommission ihren Bericht an die Landesregierung. Bei der Staatsanwaltschaft sind mittlerweile rund 70 Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter und Management der GmbH anhängig.
Am 6. November gibt Ministerin Münch bekannt, daß die Heime innerhalb von zwei Monaten geschlossen werden sollen. (jW)
Am 15. Juni 2013 berichtet die tageszeitung ausführlich über die auf »Verhaltenslöschung« zielenden »Erziehungs«methoden in den Haasenburg-Heimen. Ein Exmitarbeiter hatte dem Blatt Tausende Seiten interner Protokolle zugespielt, mehrere ehemalige Insassen hatten über traumatische Erlebnisse berichtet.
Am 17. Juni kündigt das brandenburgische Bildungsministerium die Einsetzung einer Untersuchungskommission an. Sie wird am 28. Juni einberufen.
Am 4. Juli durchsuchen 50 Polizisten und vier Staatsanwälte die Haasenburg-Einrichtungen sowie ein Bürogebäude und stellen zahlreiche Akten sicher. Am 9. Juli verhängt Ministerin Martina Münch (SPD) einen Belegungsstopp, zugleich werden drei Mitarbeiter suspendiert.
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Am 10. Juli berichtet die taz, das Landesjugendamt sei schon 2006 von Haasenburg-Mitarbeitern über gesetzwidrigen Medikamenteneinsatz und Fixierungen informiert worden. Einzige Konsequenz: Einer der Whistleblower wurde entlassen, weil das Amt gegenüber dem Heimbetreiber seine Identität preisgab.
Am 16. Juli kündigt die Haasenburg GmbH Klage gegen den Belegungsstopp an.
Am 29. August hebt Ministerin Münch diesen für das Heim in Neuendorf (Spreewald) wieder auf.
Am 30. Oktober übergibt die Untersuchungskommission ihren Bericht an die Landesregierung. Bei der Staatsanwaltschaft sind mittlerweile rund 70 Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter und Management der GmbH anhängig.
Am 6. November gibt Ministerin Münch bekannt, daß die Heime innerhalb von zwei Monaten geschlossen werden sollen. (jW)
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