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Diverse Dämonen. Ernesto Sabato gestorben

Am Samstag starb der berühmte argentinische Schriftsteller Ernesto Sabato im Alter von 99 Jahren. Ursprünglich war er Atomphysiker. Zu seinen wichtigsten Werken gehören »Der Tunnel« (1948), »Über Helden und Gräber« (1961)und »Abbadon« (1974). 1984 bekam er den Cervantes-Preis, die bedeutendste Auszeichnung für spanischsprachige Literatur.

Kurz vor dem Militärputsch im März 1976 nahm er gemeinsam mit anderen Schriftstellern, darunter Luis Borges, an einem Frühstück mit dem späteren Juntageneral Jorge Rafael Videla teil, was die Legitimität der Generäle gerade in bürgerlichen Kreisen steigerte. Später distanzierte sich Sabato, der früher Mitglied der KP war, von der Diktatur und wurde 1984 Vorsitzender der ersten argentinischen »Wahrheitskommis­sion«. Der von ihm koordinierte Bericht »Nunca Más« (Nie Mehr) protokollierte detailliert die zwischen 1976 und 1983 verübten Verbrechen der Junta und diente auch als Anklageschrift. In seinem Vorwort entwickelte Sabato mit der »Theorie der beiden Dämonen« eine eigene Art Totalitarismustheorie, in der er den Militärputsch als Reaktion auf den »Terrorismus« der argentinischen Guerillagruppen Anfang der 70er Jahre interpretierte. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 02.05.2011, Seite 13, Feuilleton

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