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Schraube locker, Glücksspirale

Als am 17. Juni im Brecht-Haus die fünfbändige »Berlinische Dramaturgie« von Peter Hacks (herausgegeben von Thomas Keck und Jens Mehrle) vorgestellt wurde, erlaubte sich der zum Vortrag einiger Hacks-Passagen gebetene Wiglaf Droste, aus der FAZ vom 12. Juni zu zitieren: »Die Entwicklung seines [Hacks’] Denkens erweist sich als weitgehend von den äußeren Umständen unabhängige, nach inneren Notwendigkeiten ablaufende, bei Goethe beginnende, aufwärtsführende Schraubenbewegung zu Goethe hin …« Für den FAZ-Autor André Thiele, der eine Schraubenbewegung von Goethe zu Goethe hin ersann, hatte Droste die Bezeichnung »Analphabet« übrig. In der Berliner Zeitung las sich das anderntags so: »Der für die gute Sache in den Dienst genommene Berufspolemiker Wiglaf Droste beschimpft einen abwesenden FAZ-Autoren gleich als Analphabeten. Erstens weil der das Bild von einer Spirale verwendet hat, die von Goethe zu Goethe führe, was ja nicht sein kann, weil eine Spirale nie zu ihrem Ursprung zurückführen könne, nicht wahr?!« Das schrieb Ulrich Seidler, der die lockere Schraube des FAZ-Autors zu »einer Spirale« fälschen mußte, um ihm mit einem auftrumpfenden »nicht wahr?!« beispringen zu können. So hilft ein Analphabet dem anderen, und in Frankfurt wie in Berlin wird weiterhin mit der Glücksspirale redigiert, was Amateurpolemiker von sich zu geben versuchen.

(jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 23.06.2010, Seite 13, Feuilleton

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