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Tanzen? Reden!

Von Marc Diesener
Am Montag war in Berlin wieder die Fête de la Umsonst, auch Musique genannt. 81 Bühnen mit 600 Bands, sieben Bühnen im Prenzlauer Berg. Auf dem Kolle 37, einem Abenteuerspielplatz, begann die »Fette Musike« schon um 15 Uhr. Es traten Kinderchorgruppen auf, die davon sangen, daß verliebt sein ist wie auf einer Achterbahn im Kreis zu fliegen, oder wie ein Klavier auf dem Ozean, das nicht aufhören kann zu spielen, oder daß das schönste dieser Welt kein Geld, sondern nur ein Lächeln kostet. Merke: Getanzt wird nicht, nur geredet. Am liebsten zu Techno und House, wie man ihn bei »Oye Records« hören konnte – zusammen mit Menschen, die sämtliche Mahlzeiten in Straßencafes zu sich nehmen. Angeblich 10000 davon gab es im Mauerpark, wo das »Seeed DJ Team« auflegte. Ein Mann ärgerte einen Hund und sagte, er wolle doch nur spielen. Auf dem Falkplatz keine Schlappseilakrobatik, sondern ein Mann auf der Bühne, der fortwährend »Bom-bay« sang. Im Beakers spielte die überzeugendste Band eine Mischung aus Punk und Metal, es war schön laut. Die Gitarristin drosch das Mikrophon auf die Saiten und schmiß es fort. Es wurde gelacht. Die Musiker schienen sehr nett zu sein.
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Erschienen in der Ausgabe vom 23.06.2010, Seite 13, Feuilleton

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