-
25.07.2008
- → Feuilleton
Ja, wir können (nicht anders)
Nimmt man die Titelseiten der deutschen Zeitungen vom Donnerstag zum Maßstab, haben sich die »Obamaniacs« in allen Redaktionen durchgesetzt. Das ND wartete mit einer Karikatur auf, die Barack Obama in den Armen eines Berliner Bären zeigt. Die Überzeichnung des Präsidentschaftskandidaten kam nicht ohne rassistische Stereotypen aus. Während er mit der rechten Hand den Bären liebkoste, hielt er in der linken eine Art Spielzeugpanzer. Überschrift: »Siegen mit Obama«. Unfeiner kann Ironie kaum sein.
Auch grafisch deutlich gelungener präsentierte die taz Obama als Comichelden. Über dem Superman mit geballter Faust stand: »Komm runter!« Gegenteiliges wünschte sich die Redaktion des Tagesspiegel. »Berlin hat hohe Erwartungen an Obama«, wurde auf dem Titel erklärt. Die Höhe dieser Erwartungen konnte mit einer beinahe originalgroßen Abbildung der Siegessäule leider nur angedeutet werden – sicher ist darüber nachgedacht worden, das Nationaldenkmal mit Obama als Starschnitt zu bringen.
Vergleichsweise profan war auf dem Titel der Berliner Zeitung zu lesen: »Obama ist ein Berliner – für einen Tag«. Abgebildet war eine groteske Szene, die sich am Vortag der Berliner Rede des Kandidaten vor der Siegessäule abgespielt hatte: Ein Baden-Württemberger hat mit seinem Kleinwagen die Absperrgitter durchbrochen, um rote Farbe auf dem Asphalt zu verteilen. Das ist ihm gelungen. Erschöpft hat er den Kopf aufs Steuer sinken lassen. Zwei hysterische Sicherheitsleute hindern ihn, was nicht nötig wäre, am Weiterfahren – mit langen Eisenstangen, die sicher nicht für diesen Zweck taugen.
Wer solche Ritter von der traurigen Gestalt vor Ort hat, braucht nicht in die Ferne schweifen, mag Josef Depenbrock sich gedacht haben. Der Chefredakteur und Geschäftsführer der Berliner Zeitung, außerdem Herausgeber des Kreuzfahrtmagazins Azur, hat laut Frankfurter Rundschau vom Donnerstag gerade mal wieder einen Posten gefunden, der sich einsparen läßt. Ab 2009 wird die Berliner Zeitung keinen US-Korrespondenten mehr haben. (jW)
Auch grafisch deutlich gelungener präsentierte die taz Obama als Comichelden. Über dem Superman mit geballter Faust stand: »Komm runter!« Gegenteiliges wünschte sich die Redaktion des Tagesspiegel. »Berlin hat hohe Erwartungen an Obama«, wurde auf dem Titel erklärt. Die Höhe dieser Erwartungen konnte mit einer beinahe originalgroßen Abbildung der Siegessäule leider nur angedeutet werden – sicher ist darüber nachgedacht worden, das Nationaldenkmal mit Obama als Starschnitt zu bringen.
Anzeige
Vergleichsweise profan war auf dem Titel der Berliner Zeitung zu lesen: »Obama ist ein Berliner – für einen Tag«. Abgebildet war eine groteske Szene, die sich am Vortag der Berliner Rede des Kandidaten vor der Siegessäule abgespielt hatte: Ein Baden-Württemberger hat mit seinem Kleinwagen die Absperrgitter durchbrochen, um rote Farbe auf dem Asphalt zu verteilen. Das ist ihm gelungen. Erschöpft hat er den Kopf aufs Steuer sinken lassen. Zwei hysterische Sicherheitsleute hindern ihn, was nicht nötig wäre, am Weiterfahren – mit langen Eisenstangen, die sicher nicht für diesen Zweck taugen.
Wer solche Ritter von der traurigen Gestalt vor Ort hat, braucht nicht in die Ferne schweifen, mag Josef Depenbrock sich gedacht haben. Der Chefredakteur und Geschäftsführer der Berliner Zeitung, außerdem Herausgeber des Kreuzfahrtmagazins Azur, hat laut Frankfurter Rundschau vom Donnerstag gerade mal wieder einen Posten gefunden, der sich einsparen läßt. Ab 2009 wird die Berliner Zeitung keinen US-Korrespondenten mehr haben. (jW)
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Solidarität jetzt!
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
→ mehr aus dem Ressort Feuilleton
