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Hysterie in Moskau

Boris Jelzin wieder in Klinik eingeliefert

Die neuerliche schwere Erkrankung Boris Jelzins hat die politischen Turbulenzen in der russischen Hauptstadt noch verstärkt. Das neoliberale Lager, das die Medien nach Belieben beherrscht, schürt die Panik und warnt vor einem drohenden kommunistischen Umsturzversuch, dessen Auftakt die Ermordung der Duma-Abgeordneten Starowoitowa gewesen sein soll.

Wie ein Kremlsprecher am Montag mitteilte, wurde der 67jährige Präsident am Sonntag mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Nach der Bekanntgabe der Erkrankung Jelzins wurden erneut Rufe nach seinem Rücktritt laut. Sogar der Jelzin-treue Politiker Alexander Schochin forderte der Nachrichtenagentur Interfax zufolge vorgezogene Präsidentschaftswahlen. Der Sicherheitsrat unter Ministerpräsident Jewgeni Primakow entschied jedoch, daß dies nicht nötig sei. Nach der Sitzung des Rates sagte der Premier, es würden keine Maßnahmen ergriffen, die »die Gesellschaft weiter destabilisieren und Diktatoren an die Macht bringen«.

Der kommunistische Parlamentspräsident Gennadi Selesnjow will die Zeitschrift der ermordeten russischen Oppositionspolitikerin Galina Starowoitowa verklagen. Das Blatt hatte in der vergangenen Woche Selesnjow beschuldigt, zwei Scheinfirmen gegründet zu haben, um Spendengelder für die Kommunisten zu sammeln. Der Parlamentspräsident kritisierte auch das Fernsehen, das den Eindruck erwecke, Starowoitowa sei von ihren politischen Gegnern ermordet worden.

(AFP/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.11.1998, Seite 0, Ausland

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