Enrique Ubieta: Kuba wird siegen
Beim Cuba-Libre-Empfang am Stand der jungen Welt auf der Frankfurter Buchmesse wurde am Freitag ein Grußwort von Enrique Ubieta, Chef der kubanischen Zeitschrift Revolución y Cultura, verlesen:
Ich weiß nicht, wann der letzte Rest an Moral in den internationalen Beziehungen weggebrochen ist, wann der Schein keine Rolle mehr spielte. (…) In Venezuela, so sagte Trump ganz klar, ging es um das Öl. Der Imperialismus im Niedergang hat keine Zeit mehr, Geschichten zu erfinden, und muss sich der Gewalt bedienen, um sich zu behaupten; solche Arroganz ist paradoxerweise ein Zeichen von Schwäche, aber sie ist auch ein Symptom für das Aufkommen des Faschismus. (…)
Während ich diese Zeilen schreibe, leidet das kubanische Volk unter einer Seeblockade, die Sanktionen und hohe Handelszölle gegen jede Nation oder Reederei umfasst, welche versucht, Treibstoff auf die Insel zu bringen. Eine Seeblockade, die ebenso die ungestrafte Festsetzung von Schiffen umfasst, die ihr Recht auf freien Handel oder Solidarität wahrzunehmen versuchen. Tausende Container mit Lebensmitteln, Medikamenten und Ersatzteilen, die von Kuba bezahlt oder dem kubanischen Volk gespendet wurden, liegen derzeit in Häfen in der Karibik fest. Die Auswirkungen für unsere Bevölkerung sind verheerend: Die Menschen leiden unter langen Stromausfällen, Versorgungsengpässen und steigenden Preisen für die elementarsten Güter. Die Wasserversorgung ist unzureichend. Die Säuglingssterblichkeit, die vor wenigen Jahren noch bei 4,4 lag, erreicht heute fast zehn Todesfälle pro 1.000 Lebendgeburten. Kranke Kinder sterben, weil das Land daran gehindert wird, die benötigten medizinischen Geräte, Verbrauchsmaterialien und Medikamente zu importieren.
Das Imperium überwacht Kuba, um dem kubanischen Volk jegliche Chance zum Atemholen einzuschränken oder völlig zu nehmen; es verhängt jede Woche neue Sanktionen. Jetzt unter einem völlig absurden Vorwand: Sie geben vor, Kuba, die kleine karibische Insel, bedrohe die Vereinigten Staaten.
Wahrscheinlich sehen sie Kuba, die souveräne, unbeugsame Nation, als Bedrohung. Allerdings läuft es nicht ganz so, wie vom Imperialismus erwartet: Zehn Monate nach der größten Sanktionseskalation gegen Kuba ist die Revolution immer noch aufrecht und standhaft.
Die Insel ist dabei, die Energieversorgung, den Energiemix, umzustellen – erneuerbare Energien eröffnen zunehmend neue Lebensperspektiven. Kuba ergibt sich nicht, es findet neue Wege, um sein Wirtschaftsmodell fortzuführen. Der vermeintlich gescheiterte Staat, er ist gut organisiert, seine Stärke und Entschlossenheit reichen, um Widerstand zu leisten. Trump spricht von Verhandlungen – unmöglichen Verhandlungen, denn er stellt diese unter die Voraussetzung eines Sturzes dieser Regierung und des politischen Systems. Er will Kuba annektieren: Niemandem ist dies jemals gelungen, niemandem wird es je gelingen.
Das moralische Debakel ist der Faschismus. Ich schließe mich denen an, die meinen, der dritte Weltkrieg sei bereits im Gange. (…)
»Wenn es viele ohne jeden Anstand gibt«, erklärte José Martí den Kindern von »Nuestra América« in seinem Lied »La Edad de Oro«, »gibt es immer auch andere, die den Anstand vieler in sich tragen. Diese sind es, die sich mit wahnsinniger Kraft gegen jene auflehnen, die den Völkern ihre Freiheit – also den Menschen ihre Würde – zu rauben versuchen. In diesen Menschen stecken Tausende von Menschen, ein ganzes Volk, Menschenwürde.«
Es gibt Millionen solidarischer Freunde auf der Welt, denen es an Würde nicht mangelt, während sie anderen fehlt. Es gibt Millionen würdiger und unbestechlicher Kubaner.
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