Er fehlt
Wir vermissen unseren Schülerpraktikanten Gustav mit der Hupe. Er wurde zuletzt am 31. Juli in der Redaktionsteeküche angetroffen, mit den Füßen im Kühlschrank. Gustav ist ungefähr 40 Jahre alt, groß, trägt zu kurze Sachen und Zigaretten hinter den Ohren. Sollten Sie ihm begegnen, dann versuchen Sie nicht, ihn einzufangen, er ist bewaffnet. Mit einer Hupe, wie bei Kästners Emil. Aber richten Sie ihm aus, dass er wiederkommen soll, er kriegt noch sein Zeugnis. Gustav hat sein Praktikum bei uns vor bald vier Jahren angetreten und vorübergehend den Schreibtisch von Sendezeitenredakteur F. übernommen, der gerade urlaubte. Und dort saß der Junge bis neulich und zockte GTA, bevor er in der Küche verschwand.
Wie kamen wir zu Gustav und er zu seiner Hupe? Wir haben ihn als Radiokolumnenpraktikanten ausgewählt, weil er bereits Erfahrungen beim Hörfunk gemacht hat. Er fungierte beim RBB drei Monate lang als Geräusch in einem Hörspiel, musste hupen, wenn der Hauptdarsteller sagt: »Ich glaube, es hupt!« Die Produktion war ein Fehlschlag, weil besagter Sprecher beim Wörtchen »hupt« immer ins Stottern kam. Es klang wie »Ich glaube, es hu-puh-pupt!«, so dass Gustav jedes Mal lachen musste und vergaß, die Tröte zu drücken. Bei der jungen Welt hat er alle Aufgaben zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt. Wir haben ihm keine anvertraut. Jedenfalls fehlt er uns. Nur Sendezeitenredakteur F. nicht. Der freut sich, nach vier Jahren in der Kammer seinen Schreibtisch wiederzuhaben. Wir fahren betrübt fort mit Programmvorschlägen.
Und staunen darüber, dass sich manch Zeitgenosse in seinen KI-Chatbot verliebt, die »Dimensionen« berichten davon in → »Robo-Relations« (Di., 19.15 Uhr, Ö 1). Die Reihe »Das Wissen« will was wissen über → »Oktopusse: Wie intelligent und sozial sind Kraken wirklich?« (SWR 2025, Mi., 8.30 Uhr, SWR Kultur). Zu diesen Pfundsviechern befragt wird → »Wolfgang Slany, Oktopusforscher«, in »Bayern 2 Eins zu eins« (Fr., 16.04 Uhr). Beim Hamburger Freien Radio lädt → »Knarf Rellöm von der Außerplanetarischen Opposition« befreundete Aliens ins Studio zur »ersten Radiosendung mit Außerirdischen auf der Welt« – wenn man von »Montags-Extra: The DT64 Cosmic Radioshow« von 1993 absieht; erwartet werden unter anderem Sun Ra, Tarwater und die Slits (Do., 14 Uhr, FSK).
Wolfgang Palaver, rechtgläubiger Theologe und Peter-Thiel-Intimus, stellt sich in »WDR 5 Philosophie Spezial« die Frage, → »Wer hat Angst vorm Antichrist?« (Do., 20.03 Uhr). Das Fürchten gelehrt von allerchristlichsten Wohltätern wurde den Kindern, die im sechsteiligen Podcast → »Holy Hell« auftreten (BR 2026, Fr., nach 20.03 Uhr, Bayern 2). Berührend: das belgische Stück → »Regen für die Toten« von Yasmina Hamlawi über eine Mutter mit ihrer Tochter beim toten Vater in der fernen Heimat (BRF 2025/ORF 2026, Sa., 12.04 Uhr, So., 15.04 Uhr, WDR 3). Belustigt: Tobias Mann bei der Pointengala → »Deutscher Kleinkunstpreis 2026« am 14. Februar in Mainz, angeheitert von ausgezeichneten komischen Vögeln (Sa., 15.04 Uhr, WDR 5).
In der Oper wartet eine junge Witwe auf uns, → »Pepita Jiménez« von Isaac Albéniz, aufgeführt im Oktober im Teatro de la Zarzuela in Madrid (Sa., 19.30 Uhr, Ö 1). → »Die Lachprinzessin« von George MacDonald liest Hans Paetsch in »Mikado« (So., 7.05 Uhr., NDR Kultur). Ein missratenes Aschenputtel reüssiert im Hörspiel → »Dienstbare Geister« (1/2) von Paul Plamper (WDR 2017, So., 17.04 Uhr, WDR 5). Safia Al Bagdadi liest ab Montag aus ihrem Roman → »Unser Haus mit Rutsche« (1/24) (HR, MDR, NDR, SR 2026, Mo., 9.30 und 14.30 Uhr, HR 2 Kultur).
Und gerade wurde noch die Meldung hereingereicht, dass Gustav mit der Hupe wieder da ist! Wie schön! Weniger schön: Er hat einen verlausten dreibeinigen Hund mitgebracht. Sendezeitenredakteur F. will den Personalrat einschalten.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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