-
1 Leserbrief
- → Feuilleton
Gröllmann, Schulz
Was hat Jenny Gröllmann in rund vier Bühnen-, Film- und Fernsehjahrzehnten nicht alles gespielt! Literarische Stoffe, Märchen, Komödien. Man sah sie in TV-Filmen und -Reihen, angefangen 1969 bei »Der Staatsanwalt hat das Wort« über »Polizeiruf 110«, später »Tatort«, »Liebling Kreuzberg« bis zu »Sturm der Liebe« (2005). Dazwischen 1971 auch »Salut Germain« über deutsche Widerständler in der Résistance gegen die Nazis. Oder auch »Dein unbekannter Bruder« (1981), den Willi Bredel, ein Hamburger Freund ihres Vaters, geschrieben hatte. Der junge Grafiker und Bühnenbildner Otto Gröllmann war mit Ernst Thälmann bekannt, trat 1922 in die KPD ein, wurde nach 1933 verhaftet, kämpfte im Spanienkrieg und arbeitete danach in Hamburg in einer Widerstandsgruppe. Durch Vermittlung von Willi Bredel kam die Familie 1948 in den Osten. Tochter Jenny debütierte in Dresden 1961 in der Hauptrolle des Brecht-Stückes »Die Gesichte der Simone Machard«, studierte in Berlin und blieb für ein Vierteljahrhundert im Ensemble des Maxim-Gorki-Theaters, wo sie unter anderem die Titelrolle in »Ich bin einem Mädchen begegnet« übernahm. Bis zum Schluss hat sie Rollen in Gegenwartsstoffen gestaltet. Nachdem sie am 9. August 2006 im 60. Lebensjahr an Krebs gestorben war, widmete ihr Petra Weisenburger den Porträtfilm »Ich will da sein«.
Als Defa-Trickfilme noch nicht in Dresden, sondern in Babelsberg entstanden, arbeiteten 1953 an dem Film »Die Streichholzballade« zwei Männer mit, die später Schöpfer gleich zweier Sandmännchen wurden. Das eine entwarf 1959 Gerhard Behrendt für den DFF, und es lebt bis heute. Das andere schuf Herbert K. Schulz, ein Möbeltischler, der sich bei der Defa zum Puppenfilmer entwickelte. Schulz wollte lieber in Berlin als in Dresden arbeiten, ging nach wenigen Jahren zur DDR-Werbefirma Dewag, wo er beispielsweise Trickfilme für »Wittol« und »Lotto-Toto« schuf. Bald jedoch lockte der Westen, und er gründete dort 1961 eine eigene Firma. Als im Westfernsehen auffiel, dass deren Handpuppensandmännchen durchs DFF-Sandmännchen eine gefährliche Konkurrenz entstanden war und Werbekunden absprangen, gewann Schulz eine Ausschreibung und konnte mit seiner Firma ab 1962 das »Westsandmännchen« in 75 Folgen bis zur Einstellung 1989 realisieren. Sein Sandmännchen kam stets schwebend auf einem Wölkchen angeflogen, war sanfter, eher einschläfernd.
Schulz wurde am 9. August vor 100 Jahren im damaligen Kurland (heute in Litauen) geboren. Nach dem Krieg lernte er in Weimar die Sängerin Rosemarie Küssner kennen, die sich an seiner Seite bei der Defa zur Trickfilmerin entwickelte und seine Ehefrau wurde. Sie führte die Firma weiter, nachdem Schulz am 27. November 1985 gestorben war.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
-
Onlineabonnent*in Christel H. aus A. 5. Aug. 2026 um 13:48 UhrDer Autor hätte ruhig erwähnen können, daß Jenny Gröllmann neben allem anderen auch eine kleine, aber wichtige Rolle in »Ich war neunzehn« spielte.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
