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Zurück in die Zukunft

Foto: Jens Niering/dpa
Fußball ist ihr Leben: Champagner für Energie Cottbus

Schwache Nerven waren am letzten Spieltag der dritten Liga nicht gefragt. Vor allem nicht bei den drei um den Aufstieg spielenden Kandidaten – nach absteigendem Tabellenplatz: Cottbus, Duisburg und Essen. Meisterschaft und Aufstieg hatte der VfL Osnabrück als unangefochtener Spitzenreiter schon vor zwei Wochen in trockene Tücher bzw. biernasse Trikotagen gebracht, und machte einen auf Schaulaufen (4:3 beim VfB Stuttgart II). Auswärts ging es für Cottbus nach Regensburg und für Essen zum Absteiger Ulm. Aus Drohnenperspektive bildeten die Autobahnen von Osten und Westen gen Süddeutschland ein rot-weißes Band aus obigen Vereinsfarben. Energie Cottbus musste für den direkten Aufstieg »nur« Platz zwei verteidigen, am besten mit einem Sieg oder Remis, während die punktgleichen Westklubs um jeden Preis ans Eingemachte zu gehen hatten, zumindest für den Relegationsplatz drei.

Und fein gemacht: Am langen Wochenende war von Lausitzer Hardcorefans an atemberaubenden Choreos gebastelt worden. Die Regensburger Vereinsführung soll absolut entgegenkommend mit Karten und Auflagen umgegangen sein, Fairplay für die oft gefürchteten Brüder und Schwestern aus dem Osten von D. Bis zu 9.000 feuerten ihr Team um Coach »Pele« Wollitz auf gesangstechnisch hohem Niveau an, sogar der RBB war vor Ort. Last but not least wurde Tolcay Ciğerci zum »Spieler der dritten Liga« gewählt. Was sollte noch schiefgehen?

Das Spiel selbst. Die ersten Angriffswellen von Cottbus schluckte der Jahn mit seinem 4-1-4-1, was auf ein 8:2 hinauslief. Die Konter wurden gefährlicher. Erst nach einer knappen halben Stunde, ganz nonchalant aus dem Fußgelenk, zog Jannis Boziaris einen knallharten Schuss zur Cottbusser Führung ab. Am Ende der 90 Minuten war Regensburg wieder am Drücker, wollte sich aus der Saison nicht geschlagen verabschieden. Elfmeter. Energie-Keeper Funk parierte zum Abschied sensationell per Fußabwehr. Cottbus schafft den Aufstieg aus eigener Kraft. Danach brachen die Dämme im Stadion, also fast. Die Umweltpolizei schützte die Hälfte des Rasens vor dem Cottbusser Anhang, die andere durfte vor lauter Liebe zu Spielern und Staff zertrampelt werden, im ersten halben Platzsturm der Welt.

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Ach ja, Essen hatte sich durch ein Tor in der Nachspielzeit (3:2) den Dreier gegen Ulm gesichert, und damit auch den Relegationsplatz; wie wir inzwischen wissen, gegen Greuther Fürth aus der zweiten Liga. Duisburg blieb durch ein Remis gegen Viktoria Köln nur der undankbare vierte Platz, als Aufsteiger nur objektiv ein Erfolg.

Zurück in die Zukunft, nach zwölf Jahren Cottbusser Abstinenz von der zweiten Liga. Ein glücklicher Trainer und Präsident feierten ihre Bruderschaft mit erlesenem Wein, bereits kaltgestellt in der Cottbusser Postkutsche heimwärts. Liebe Bayern der Bierduschen, das ist ostdeutsche Zivilisation. Zum Ausnüchtern bei später Ankunft in Cottbus war Weinkenner »Pele« inzwischen auf Bier umgestiegen, voll den Spruch ignorierend: Bier auf Wein, das lass sein; ein Mythos. In der Lausitz ist Pele jetzt schon ein Mythos, egal, was die Zukunft bringt. Das Fangedächtnis vergisst Leidenschaft nie.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.05.2026, Seite 16, Sport

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