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21.04.2026
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Ohne Abstieg kein Aufstieg
Das Bezahlfernsehen hat auch vor der dritten Liga nicht haltgemacht, die meisten Spiele sind nur noch gegen Cash (Verzeihung: Karte) bei Rosarot-TV zu sehen. Da lässt sich offensichtlich ordentlich Kohle machen mit dem Leiden einst großer Traditionsvereine, deren Generationen von Fans sich nach nichts mehr sehnen, als ihre Lieblinge irgendwann wieder in der Bundesliga spielen zu sehen. Bis dahin ist es aber ein steiniger Weg. Abrutschen ist leichter als Klettern. Wer sich noch standhaft weigert, in die Pay-TV-Falle zu gehen, dem bleibt als Lösung die Kneipe, auch teuer, oder einfach manches versagt. Zum Beispiel das als »Knallerspiel« deklarierte Match am letzten Sonntag zwischen Energie Cottbus und Rot-Weiss Essen.
Doch zuerst zum Vorspiel. Zuletzt sah es aus, als ob drei Westklubs die Chose unter sich ausmachen würden. Da ist der Tabellenführer Osnabrück, seit Wochen in überragender Form und mit satten sieben Punkten im Rücken auf dem dritten Relegationsplatz (Cottbus) schon mit einem Fuß abgehoben in Richtung zweite Liga. Dort Rot-Weiss Essen (Zweiter) und der MSV Duisburg (gleichauf mit Energie), arm an Geld, aber reich an Anhang, der sich den Allerwertesten für sein jeweiliges Team aufreißt.
Ha! Der VfL Osnabrück war dann aber am Sonnabendnachmittag im NDR zu bestaunen – wann hatte man den schon mal als Aufstiegsaspiranten? Eigentlich genau zum neunten Mal, achtmal gelang dem VfL bereits das Wunder. Früher nannte man so etwas eine Fahrstuhlmannschaft, denn ohne Abstieg kein Aufstieg. Aber um es den Niedersachsen nicht zu vermiesen: Osnabrück hat momentan alles, was es braucht. Eine eiskalte Defensive, die kaum Tore zulässt, und eine coole Offensive, die auf Konter lauert. Die Tordifferenz spricht für sich, Ballbesitz interessiert wenig. Nicht sonderlich attraktiv, wenn auch überlegen, präsentierte sich der Überflieger gegen Sabrina Wittmanns Ingolstadt. Erst Joker und Eigengewächs Ismail Badjie knallte den Ball fast allein in die Maschen, abgefälscht, wie schon zuletzt bei seinem Siegtreffer gegen Cottbus.
Auf meiner App sah das Spiel Cottbus vs. Essen am Sonntag nach 60 Minuten so aus: 1:3. Das war’s dann, seufzte mein halbes preußisches Herz halbherzig. Essen hat einfach einen Lauf. Ich drehte mit einem Freund noch eine Runde mit dem Rad auf dem Tempelhofer Feld. Gleich würde es regnen. Wind kam auf, tief die Mütze über die Ohren. Nur deshalb konnte ich die Schreie aus Cottbus nicht hören. Im Alleingang, welch schöner Unsinn im Mannschaftssport, hatte Spielmacher Tolcay Ciğerci die Partie gedreht. Mit einem verwandelten Elfmeter, einem direkt verwandelten Freistoß und, letztlich, dem lupenreinen Hattrick aus dem Spiel heraus aus 18 Metern in den Winkel. Dazu stach Joker Merveille Biankadi in der Nachspielzeit zum 5:3. Jedes Tor zählt im engsten Aufstiegsrennen ever in der dritten Liga. Cottbus stemmt sich gegen die Konkurrenz, bleibt auf dem Relegationsplatz, einen Punkt hinter Essen, weiter punktgleich mit den Zebras aus Duisburg. Kopfkino kann auch großes Kino sein.
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