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Der Turbo-Orbán

Nach den Wahlen in Ungarn

Von Reinhard Lauterbach
Foto: Denes Erdos/AP/dpa

Der neue – noch nicht einmal gewählte, sondern nur designierte – ungarische Regierungschef Péter Magyar hat den noch unter der alten Regierung gewählten Staatspräsidenten Tomász Sulyok ultimativ aufgefordert, nach dem Regierungswechsel umgehend zurückzutreten. Ansonsten werde seine neue Mehrheit die Verfassung ändern, um ihn abzuwählen – was es so in der bisherigen ungarischen Verfassungsgeschichte nicht gegeben hat und was auch in etablierten Demokratien im Fall eines Amtsenthebungsverfahrens oder Impeachments an komplizierte rechtliche Prozeduren gebunden ist. Ungarn zeigt: Demokratie kann auch Staatsstreich.

Es heißt immer, Viktor Orbán habe in den 16 Jahren seiner Amtsführung das politische System zur Unkenntlichkeit verändert. Magyar hat offenbar den Ehrgeiz, das in 16 Wochen zu wiederholen. Und um sich gegen jede denkbare Kritik oder auch nur öffentliche Bedenkenträgerei abzuschotten, will er nicht nur den öffentlichen Rundfunk von Orbán-Anhängern säubern, sondern, da es auch in Ungarn Kündigungsfristen zu beachten gibt, erst mal ab sofort alle staatlichen Nachrichtensendungen einstellen lassen. Ein vielversprechender Anfang in Richtung mehr Demokratie zwischen Donau und Theiss (Tisza).

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Wenn sich Magyar mit solchem Draufgängertum mal nicht schwer verrechnet. In Polen hat die 2023 gewählte Tusk-Regierung ebenfalls versucht, das öffentliche Fernsehen im Handstreich zu nehmen. Das Ergebnis ist, dass dort niemand mehr das öffentlich-rechtliche Fernsehen TVP schaut und dass der Medienmacht der Regierung dank zahlungskräftiger Hilfe aus dem MAGA-Lager in den USA ein potenter und allgegenwärtiger Konkurrent in Gestalt des rechten Medienkonglomerats TV Republika erwachsen ist. Wenn die US-Republikaner auch in Ungarn den Versuch unternehmen, ihrem unterlegenen Kandidaten einen eigenen Sender zu spendieren, kann ihm Magyar zwar die Lizenz verweigern. Aber besonders demokratisch wird das dann nicht aussehen.

Macht aber nichts. Brüssel scheint wild entschlossen, mit Magyar als örtlich Ausführendem Ungarns Position als »kleines gallisches Dorf« innerhalb der EU schnellstmöglich zu schleifen. Für die »großen Zeiten«, denen uns Merz und von der Leyen entgegenführen, ist »Geschlossenheit« gefragt. Ganz wie bei Orbán.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.04.2026, Seite 1, Ansichten

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  • Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus B. 15. Apr. 2026 um 20:11 Uhr
    Nachdem Wladi Selenskij nun mit Hand aufs Herz versprochen hat, dass die Druschbatrasse bis Ende April repariert sein wird, steht bei Peter M. eine Entscheidung an: Er bricht mit seiner Haltung gegen den (zinslosen) 90-Milliarden-Euro-Kredit. Dessen Rückzahlungssumme sich binnen 20 Jahren bei milder Zwei-Prozent-Inflation mindestens halbiert, rettet die eigene vor allem ungarische Gesellschaft (nicht zu verwechseln mit Einwohnern, Bevölkerung, Nation, Volk, Ungarn) durch Importe von Rohstoffen aus der Russländischen Föderation und finanziert damit den ukrainischen Staatshaushalt wie nebenbei entscheidend mit, stärkt die eigene Düngemittelindustrie, also die Landwirtschaft, setzt in diesen Bereichen auf Wachstum und Erweiterung des Exports oder folgt den ideologisch verfestigten Riten des veralteten und verzweifelten Europarats, dessen Führungsriege seit Jahren hätte ausgetauscht/-gewechselt werden müssen. - Ich sehs mal so: Viele von uns waren noch nie in Nordkorea, auf Cuba oder in Ungarn - außer mir. Zwei Mal. Eigentlich vier Mal wegen hin und zurück nach und von Bulgarien. Immer getrampt. Unterwegs ist mir gar nicht aufgefallen, dass Peter Magyar die Wahrheit sagt: Ungarn ist das ärmste Land Europas. Soller sich mal nach Moldowa samt Gefolge chauffieren lassen. Oder nach Berlin-Pankow, weil die Eltern gerne ihre Kinder verlassen, um lieber hier Geld für ihr Zuhause zu verdienen? - Galaktisch geistreich kam die Aussage an, dass eine Eigentumswohnung nach 16 Jahren Orban für die meisten jungen Erwachsenen nicht mehr bezahlbar ist. Das kann sich in Berlin eigentlich niemand vorstellen. Denn es kommt nicht eine einzige Person mit den Taschen voller Geld, die am liebsten sofort den gesamten Billigkram in Berlin, Prag, Budapest, Tirana kauft, weils in Rom, Paris, Barcelona, Athen einfach nur fette Gewinne gibt, abba nix mehr zu kaufen. - Lag alles an Victor. Der Peter wirds richten.
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