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14.04.2026
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Die Couch der Armen
Auf Facebook postete jemand am 4. April: »Iran versenkt sechs US-Schiffe über Nacht.« Man würde das vielleicht glauben, aber erstens zeigt das Video dazu brennende Kriegsschiffe, auf denen die Mannschaften bloß an Deck herumstehen, zweitens posten arabische, indonesische, malaysische und sonstige Computernerds aus muslimischen Ländern täglich Hunderte von Kurzvideos (Reels) in den sozialen Medien, die zeigen sollen, dass Israel so gut wie zerstört ist und US-Kriegsschiffe in der Straße von Hormus ständig von iranischen Raketen und Drohnen versenkt werden. Auch in den Golfstaaten gingen vor der »Waffenruhe« täglich Hochhäuser und Tanklager in Flammen auf, ebenso die dortigen US-Stützpunkte. Explosionen, Feuer, Rauch und einstürzende Neubauten. KI macht’s möglich.
Solche Videos gab es auch schon während der israelischen Angriffe auf Gaza. Hierzu stellten die Computernerds allerdings weniger Kriegsbilder ins Netz, die zeigen sollten, wie auch Israel von Hamas- und Huthi-Raketen angegriffen wird, sondern mehr, wie massenhaft bewaffnete arabische Brigaden mit Hilfsgütern auf Schiffen und Lkw ihren bedrängten palästinensischen Schwestern und Brüdern zu Hilfe eilen. Es waren in Bilder und Töne gesetzte Wunschträume – die im Falle der Iran-Krieg-Fakes eine etwas realere Grundlage haben, insofern der Iran ja tatsächlich Israel, US-Kriegsschiffe und die Golfstaaten unter Beschuss nimmt.
Zugleich werden ebenfalls täglich Dutzende von Tiervideos gepostet, die zeigen (sollen), dass Tiere von unterschiedlichen Arten sich gut vertragen und notfalls beschützen. Oder dass Menschen verletzte Wildtiere aus Fallen retten und sie ärztlich versorgen. Spanische Computernerds haben sich derweil auf Videoclips spezialisiert, die Kampfstiere in der Arena zeigen, die von Kindern, Tänzerinnen oder Großmüttern umarmt und umsorgt werden. Die KI-Künstler wollen damit sagen: Liebe statt Krieg – auch und gerade in den Stierkampfarenen.
Zwischen den Fakevideos der kriegsgeilen Jungmänner aus vielen Ländern, die sich gegen die nahezu weltweit verhassten Staaten USA und Israel richten, werden immer wieder Filmchen und Bilder junger Frauen mit großen Brüsten gepostet, nicht selten auch noch mit aufgespritzten Lippen und pralltrainierten Hintern. Die meisten schauen selbstverliebt in ihre Handykameras. Wobei diese zunehmend mittels KI gefakt werden. Der französische Psychoanalytiker Félix Guattari erkannte bereits im Kino »die Couch der Armen«, also einen Ort der Massenpsychoanalyse. Was sind dann die sozialen Medien?
Auf der Leinwand oder auf dem Bildschirm treten die Vorbilder der Armen in Erscheinung, auch ungewollt. Die US-Schauspielerin Scarlett Johansson etwa ist eine von vielen prominenten Frauen, von denen KI-generierte Sexvideos kursieren. Schon 2018 wurde laut Washington Post ein »Deepfake«-Video, in dem Johansson zu sehen ist, auf einer einzigen Pornoseite über 1,5 Millionen Mal aufgerufen. »KI ist für Frauen ein Alptraum«, titelte die Zeitung. Während Johansson meinte: »Tatsache ist, dass der Versuch, sich vor dem Internet und seiner Verderbtheit zu schützen, im Grunde ein hoffnungsloser Fall ist. Das Internet ist ein riesiges Wurmloch der Finsternis, das sich selbst auffrisst.«
Im Grunde haben all diese Kriegs- und Sexvideoclips die japanischen Manga- und Hentai-Comics zum Vorbild. Deren Zeichner verpassten ihren kleinen Mädchen bereits oft riesige Brüste. Zwei Zehnjährige fragten einmal den berühmten Oda Eiichiro (»One Piece«), warum er seine Mädchen immer mit solchen Brüsten ausstatte. Er antwortete: »Ich erwecke nur die Träume der Jungen zu Leben.«
Einer dieser Träume ist der des Riesenpenis. Er wird auch von US-Milliardären geträumt. So ließ zum Beispiel Jeff Bezos seine bemannte Rakete »Blue Origin« überdeutlich als Penis konstruieren und sich mit ihr vor fünf Jahren in den Himmel schießen. Der US-Autor Thomas Pynchon erwähnte in seinem großen Weltkriegsroman »Die Enden der Parabel« (1973) bereits eine Forschungsgruppe der Peenemünder Raketenkonstrukteure, die an einem »erektionsfähigen Plastik« arbeiteten. Und wie man weiß, ging die erste Riege dieser Konstrukteure nach 1945 in die USA. Die zweite Riege um den Ingenieur Helmut Gröttrup ging in die Sowjetunion. Seine Frau Irmgard erzählte dem Spiegel 1958: »Mein Mann wollte gleich munter zum Mond.« Darauf arbeitete auch die Gruppe um Wernher von Braun hin. Man sprach damals von einem »Wettlauf ins All«. 2021 veröffentlichte der Journalist Dirk Lorenzen das Buch »Der neue Wettlauf ins All«. Trotz der »Artemis-2«-Mission zum Mond: Dieser Wettlauf findet vor allem auf privatwirtschaftlicher Basis statt und birgt mancherlei sexistische Idiotismen.
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