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Rundfunkstörung

Von Pierre Deason-Tomory
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Jetzt auch als Hörspiel: Bernhard Studlars »Die Ermüdeten« (Leipzig, 2025)

Die lausigen Zeiten geschuldete Seligkeit, die diese Radiokolumne oft trübt, hat heute mal Sendepause. Der Grund: Der Frauentag brachte den Freunden des drahtlosen Rundfunks unverhofft eine gute Nachricht! In einer Volksabstimmung haben die Schweizer am 8. März die »Halbierungsinitiative« der rechten SVP abgelehnt. Deren Vorschlag sah vor, den jährlichen Rundfunkbeitrag von 335 auf 200 Schweizer Franken zu senken. Der Einschnitt hätte den viersprachigen Berg- und Talfunk hart getroffen, der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) drohte personell tatsächlich eine Halbierung.

Den Kollegen dort wird wie der ARD in Deutschland gerne vorgeworfen, das Geld zum Fenster hinauszuwerfen und penetrant links zu ticken. Das eine trifft vielleicht zu, letzteres ist grob irreführend. Jedenfalls haben die Schweizer richtig entschieden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss bleiben, nur ändern muss er sich, hier wie dort. Besser muss er werden, kritischer, mehr Qualität und Frechheit wagen, und er muss endlich damit aufhören, den Dilettanten der kommerziellen Konkurrenz nachzueifern. Oder ist es denn wirklich so, dass ARD und SRG jeden Dreck, der vom Privatfunk kommt, kopieren müssen? Mit der Monotonie auf SRF 2 Kultur sollte man doch Schluss machen, raten Walter und ich, da wäre noch viel Raum für Hintergrund und Radiokunst, und wie das alles heißt, jeh, jeh, jeh!

Das bieten die öffentlich-rechtlichen und Freien Radios in dieser Woche: In den »Dimensionen« werden  »Parasomnien« bestaunt, also die Absonderlichkeiten, die mensch zuweilen treibt, während er schläft (Di., 19.05 Uhr, Ö 1).  »Weitermachen!« ruft Christoph Sieber in seinem aktuellen Programm, WDR 5 bringt Siebers Auftritt neulich in Köln-Ostheim in zwei Teilen (Di., und Mi. 20.03 Uhr).

Die Konfliktforscherin Brigitte Temel ist in den antifeministischen Sumpf gestiegen, und was sie  »Zwischen Incels und Trad­wives« herausfischte, trägt sie im Podcast der Wiener Redaktion Mosaik vor (Mi., 20 Uhr, FSK). Vera Linß berichtet im Feature »Isolation versus Humanität« über die Weltenfluchtphantasien der Big-Tech-Milliardäre, die gerade unseren Planeten ruinieren (Do., 19.30 Uhr, DLF Kultur). In der »Lesart« sprechen die Journalistin Ulrike Herrmann (»Geld als Waffe«) und der Jurist Wolfgang Kaleck (»Die Stärke des Rechts vs. Das Recht des Stärkeren«) »Live von der Leipziger Buchmesse« über ihre neuen Veröffentlichungen (Sa., 11.05 Uhr, DLF Kultur).

In denselben Hallen werden neun Schriftsteller in der »ARD-Radiokulturnacht ›Unter Büchern‹« von Carsten Tesch und Katrin Schumacher befragt (Sa., 20.03 Uhr, Bayern 2, Bremen Zwei, HR 2 Kultur, NDR Kultur, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 5), während aus Orbáns Budapester Palast »A kékszakállú herceg vára« von Béla Bartók erklingt, »Herzog Blaubarts Burg« auf ungarisch (Sa., 20.03 Uhr, BR Klassik, WDR); zuvor lässt sich eine Max-Ophüls-Inszenierung einschieben, die Novelle  »Berta Garlan« (1 und 2/3) von Arthur Schnitzler (SWF 1956, Sa., 19.04 Uhr, So., 19.54 Uhr, WDR 3).

Am Sonntag nachmittag stehen zwei Hörspiele zur Wahl: als Serienpremiere »Die Hexe von Pendach« (1 und 2/8) von Julien Hebenstreit und Katharina Irmscher (BR 2026, So., 15.05 Uhr, Bayern 2) und »Die Ermüdeten« von Bernhard Studlar, ein Stück über die unerträgliche Leichtigkeit selbstoptimierter linksliberaler Schmocks (DLF Kultur, RBB 2020, So., 16.05 Uhr, Mo., 19.05 Uhr, Radio 3). Schließlich wäre da noch  »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«; ab Montag wird Heinrich Böll sein Werk in neun Folgen vorlesen (SDR 1975, Mo., 9.04 und 19.04 Uhr, MDR Kultur).

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