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Aus: Ausgabe vom 28.02.2026, Seite 1 / Ansichten

Ich will Claus zurück!

GDL nach Weselsky-Ruhestand auf Schmusekurs
Von Oliver Rast
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Ganz ehrlich, mein christdemokratischer Lieblingsschnauzer

Ich sag’s frei raus: Ich will Claus zurück. Claus mit »C«. Claus Weselsky. Ja, genau den, den Exboss der Lokführergewerkschaft GDL. Denn mit ihm wäre das nicht passiert. Eine Tarifrunde ohne Stunk, ohne Streik. Schon gar nicht beim Clinch mit dem Vorstand der Deutschen Bahn. Den »Nieten«, »Dummschwätzern« und »Vollpfosten« – O-Töne von C. W. – im DB-Tower am Berliner Potsdamer Platz. Ein Tonfall, der längst fehlt.

Dafür der Hiobsfall samt Hiobsbotschaft am Freitag: GDL und DB AG »erzielen Tarifeinigung«. Die Gespräche seien »erfolgreich abgeschlossen« worden. Das Ergebnis: ein Entgeltplus von fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwei Jahren – unter dem Strich: Reallohn- und Kaufkraftverlust für die Kollegen. Wirklich, ein Erfolg? So ganz stunk- und streiklos?

Dieser Abschlussmurks soll wohl zweierlei signalisieren: die Rückkehr zu »tarifpolitischer Normalität« bei der DB und einen Stilwechsel in der GDL-Führung. Besser: einen Stilbruch. Schlimmer noch: ein Sündenfall, eine Erbsünde.

Sicher, Weselsky hat sein Rüpelimage gefallen, hat den Kumpeltyp mit sächselndem Unterton gemimt. Eine Doppelrolle, die aber authentisch rüberkam, ankam – allemal beim Gros der Belegschaft. Seit September 2024 ist der Frontmann Ruheständler, nach 16 Jahren im Amt, nach 234 Arbeitskämpfen und 12.012 Streikstunden, wie die GDL nachzählte.

Mal ehrlich, wer kennt Weselskys Nachfolger Mario Reiß? Nur wenige, oder? Kein Wunder. Reiß ist Typ »Anti-Weselsky«. Blassgrau, blutleer, blümerig. Richtig, es geht nicht vorrangig um Charakterfragen. Darum schon: Die x-te Neuauflage einer Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität wird die GDL schwächen – profil- und machtpolitisch. Gerade auch gegenüber der gewerkschaftsinternen Konkurrenz EVG im Ringen um die mitgliederstärkste Fraktion in DB-Betrieben (Stichwort: Tarifeinheitsgesetz).

Und sowieso: Mit einem Schmuse- statt Konfrontationskurs bleiben die strukturellen Probleme im Bahnbetrieb (etwa Personalmangel, Überstunden, Schichtbelastung) auf der Strecke – vom maroden Verkehrsnetz ganz abgesehen.

Ich sag’s, wie es ist: Im Tarifzoff braucht es Einheizer. Hey Claus Weselsky, ich will dich zurück!

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