Sabotage
Von André Dahlmeyer
Einen wunderschönen guten Morgen! Argentiniens Balltretschwergewichte River Plate und Boca Juniors haben jeweils mindestens eine Katastrophensaison hinter sich. Im aktuellen Torneo Apertura wurden in zwei Wochen vier Spieltage gekickt. 16 hat die Gruppenphase (zwei Gruppen à 15), dann geht mit den Achtelfinals auch schon die Kaoh-Phase los. Kaum hatten Medienvertreter über den Saisonstart der Xeneizes und des Millonario das eine oder andere Lob zum Trocknen auf die Leine gehängt, sabotierten die Kicker beider Klubs diesen vermeintlichen Waffenstillstand mit ihren grottenschlechten Leistungen auch schon wieder. Der argentinische FC Hollywood hat ganz klar zwei Köpfe.
Die Idealpunktzahl erreicht hat mit vier Siegen nur Pokalsieger Independiente Rivadavia (Zone B) aus der Anden-Provinz Mendoza. Montag abend gewannen die Mendocinos bei Aufsteiger Estudiantes in Río Cuarto mit 1:0. Bei Estudiantes RC wurde einst Messi-Vorbild Pablo Aimar ausgebildet. Neben Talleres, Belgrano und Instituto ist es der vierte Erstligaklub aus der Provinz Córdoba. Bei Instituto wurde bereits nach fünf Tagen (zwei Spieltagen) der Trainer entlassen. Mittlerweile hat »La Gloria« einen lauen Punkt auf dem Kerbholz.
Von den »G5« des silberländischen Balltretens gewannen am Weekend nur die Klubs aus Avellaneda. Für Racing Club waren es nach den drei Auftaktniederlagen die ersten Punkte. Die Académia gewann nach Einlochungen von Conechny und Solari mit 2:1 gegen die starken Argentinos Juniors. Lokal- und Erzrivale Club Atlético Independiente spielte beim letzten Apertura-Meister Platense in Vicente López, dem Norden der Hauptstadt. Den einzigen Treffer für die roten Teufel erzielte nach rund einer Stunde Santiago Montiel. Erster Sieg für den Rojo, der noch ungeschlagen ist. Montiel wurde kürzlich von der FIFA ausgezeichnet: Sein Fallrückzieher von außerhalb des Strafraums wurde zum Welttor des Jahres 2025 gekürt. Wow, ein Spieler meines Klubs! Dass Independiente und der Hamburger SV am selben Weekend beide gewinnen, das kommt in der Regel einmal pro Jahr vor, manchmal gar nicht. Mit einem Sieg gegen die Unioner wird der HSV am Sonnabend einstellig, Independiente hat ein Heimspiel gegen den ebenfalls noch ungeschlagenen Copa-Sudamericana-Gewinner CA Lanús.
Nach zwei Rumpelsiegen in der Bombonera (Pralinenschachtel) gegen Deportivo Riestra und Messi-Klub Newell’s Old Boys sahen einige für Boca Juniors bereits wieder den Platz an der Sonne am Horizont. Ich gebe die Heimbilanz der letzten zwei Jahre zu bedenken (12/12/12). Auswärts lief es nun zum zweiten Mal schief. Nach dem 1:2 bei Meister Estudiantes La Plata folgte ein 1:2 bei Vélez Sarsfield am Speckgürtel der Hauptstadt. Vélez wird seit letztem Jahr von Boca-Legende Guillermo Barros Schelotto trainiert. Wie schon in La Plata waren die Xeneizes völlig chancenlos.
Schlimmer geht’s nimmer? Doch! Rekordmeister River Plate demonstrierte das beim 1:4 gegen Tigre deutlich. Die Riverplatenses wurden brutalstmöglich ausgekontert. Als nach 68 Minuten »Nacho« Russo, der Sohn des vergangenen Jahres verstorbenen Miguel Ángel Russo, zum zweiten Mal und zum 0:4 getroffen hatte, leerte sich das größte Stadion Lateinamerikas wie nach einem Super-GAU. Für River Plate war es die fünfte Niederlage in den letzten sechs Heimspielen: alle gegen vermeintlich »kleine« Gegner. In den letzten siebzehn Matches, in denen River in Rückstand geriet, fand der viermalige Libertadores-Gewinner nicht mehr zurück ins Spiel. Vier Tore im eigenen Stadion kassierte der »Millo« zuletzt vor zehn Jahren – beim 2:4 gegen Boca Juniors.
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