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Konflikt in Osteuropa

Schweiz ärgert Ukraine mit Friedensinitiative

Foto: Urs Flueeler/Keystone/EDA/Pool/dpa
Damals noch auf einer Wellenlänge: Die Schweizer Präsidentin Amherd und der ukrainische Staatschef Selenskij auf Friedensgipfel (Stansstad, 16.6.2024)

Kiew. Die Ukraine hat ihren Unmut über die Schweizer Unterstützung für einen von China und Brasilien vorgelegten Friedensplan um ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges geäußert. »Alle Initiativen, die keinen eindeutigen Verweis auf die UN-Charta enthalten und nicht die vollständige Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine garantieren, sind inakzeptabel«, schrieb das Außenministerium in Kiew in einem Kommentar. Derartige »Friedensinitiativen« seien nur dazu da, eine Illusion von Dialog zu erzeugen. Kiew zeigte sich ebenso verärgert darüber, dass über seine Köpfe hinweg über die Ukraine geredet werde.

Medienberichten zufolge hatte die Schweiz an einem von Brasilien und China organisierten Treffen am Rande der UN-Generalversammlung vergangene Woche teilgenommen. Dabei sei ein sechs Punkte umfassender Plan für ein Ende des seit 2022 währenden Krieges vorgestellt worden. Kern solle ein Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie sein nach dem Vorbild des Koreakrieges. Die USA und ihre europäischen Verbündeten lehnten den Plan ab, weil ihm der Bezug auf die UN-Charta und damit auf die territoriale Unversehrtheit der Ukraine fehle. Das spiele der russischen Regierung in die Hände.

Das Schweizer Außenministerium teilte mit, man habe auf den fehlenden Bezug hingewiesen. Es sei aber trotzdem eine Initiative, die zu einem Waffenstillstand und zu einer politischen Lösung des Konflikts aufrufe, wurde Sprecher Nicolas Bideau von der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA zitiert. Der Plan verkörpere eine Alternative, weil von Russland und der Ukraine bei den Vereinten Nationen – wie er sagte – nur kriegerische Reden gekommen seien.

Im Juni hatte die Schweiz noch einen ersten Friedensgipfel ohne Moskauer Vertreter auf dem Bürgenstock am Vierwaldstättersee für die Ukraine ausgerichtet. Gegenstand der Diskussionen war ein vom ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij im Herbst 2022 vorgelegter Friedensplan. Dieser basiert auf einem kompletten Abzug russischer Truppen von ukrainischem Staatsgebiet. Ein zweiter Gipfel soll möglichst mit Russland stattfinden. (dpa/jW)

junge Welt

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Erschienen am 01.10.2024, Ausland

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