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Der Springer-Boss und sein Cum-Ex-Spezi

Hamburg. Springer-Vorstandsboss Mathias Döpfner verdankt seinen Aufstieg zum Großaktionär des Konzerns der am Cum-Ex-Steuerbetrug beteiligten Privatbank Warburg, wie der Stern am Donnerstag berichtete. Demnach besorgte sich Döpfner das Kapital für seinen Einstieg als Springer-Anteilseigner im Sommer 2006 bei Christian Olearius, damals Partner und Mitinhaber des Hamburger Geldhauses. Für den 60-Millionen-Euro-Kredit habe Döpfner als Sicherheit lediglich die damit erworbenen Aktien anbieten können. Olearius ging das Risiko ein, um »die Bank an den Springer-Verlag heranzuführen – mit allen Möglichkeiten«, wie er laut Stern in persönlichen Aufzeichnungen festhielt. Das Kalkül ging auf, als zehn Jahre später die Beteiligung der Bank am milliardenschweren Cum-Ex-Betrug aufflog. Olearius durfte 2018 in einem großen Interview in der Welt am Sonntag seine spezielle Sicht der Dinge darlegen. Auch Bild rechtfertigte den Steuerbetrug mit Titelseiten wie »Das soll ein Skandal sein?« Am vergangenen Donnerstag waren private Chatnachrichten Döpfners publik geworden, in denen er etwa den »Ossis« bescheinigte, »entweder Kommunisten oder Faschisten« zu sein. »Vielleicht sollte man aus der ehemaligen DDR eine Agrar- und Produktions-Zone mit Einheitslohn machen«, war eine seiner Schlussfolgerungen. Bis Ende November war Döpfner Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.04.2023, Seite 15, Medien

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