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Documenta 15

Hass und Hähnchen

Der britische Künstler Hamja Ahsan soll keine Gelegenheit mehr erhalten, im Rahmen der Documenta 15 aufzutreten. Das teilten Geschäftsführung und künstlerische Leitung der Weltkunstschau in Kassel am Samstag mit. Seine auf der Documenta ausgestellten Arbeiten seien aber weiterhin zu sehen. Ahsan hatte für Aufregung gesorgt, weil er Anfang August auf Facebook Bundeskanzler Olaf Scholz als »faschistisches Schwein« bezeichnet hatte. Die Äußerung sei »nicht hinnehmbar« hieß es in der Mitteilung, dennoch halte man »am Prinzip der Trennung von ausgestelltem Kunstwerk und persönlichem Handeln außerhalb der Documenta fifteen« fest.

Der Künstler mit bangladeschischen Wurzel erklärte dagegen am selben Tag auf Twitter, er habe eine von ihm vorbereitete Veranstaltung am 11. September zum Thema Islamophobie aus Sorge um die Sicherheit der Gäste selbst abgesagt. Zudem habe er sich seit Juni wiederholt über Belästigungen und Vandalismus durch »antideutsche« (deutsch im englischen Original) Mitarbeiter beschwert, was die Geschäftsführung und das Kuratorenkollektiv Ruangrupa aber ignoriert hätten. Da die »Antideutschen« nicht hinausgeworfen worden seien, sei er selbst gegangen.

Seine Arbeiten auf der Documenta zeigen satirische Werbung für fiktive Halal-Frittierhähnchenimbisse, die politische Anspielungen enthalten (Beispiel: »Kabul Fried ­Chicken. Friedhof der Imperien«). Ahsan versteht die Schilder und die Social-Media-Predigtreihe »Theological Positions around Fried Chicken« (Theologische Positionen über gebratene Hähnchen) als ironische Auseinandersetzung mit der Islamophobie in Großbritannien. Weil eine Reklame mit dem Namen der marxistische Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) spielt, eine andere für den »­Taste of Liberated Palestine« wirbt und sich Ahsan gegen die israelische Besatzung positioniert, wurde er von Bild zum »Hasskünstler« erklärt. (jW)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.08.2022, Seite 10, Feuilleton

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