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Aus: Ausgabe vom 06.07.2022, Seite 16 / Sport

Die schlimmste Niederlage

Von André Dahlmeyer
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Der Himmel konnte auch nicht helfen: Jesus Alberto Angulo Uriarte (l.) verteidigt für Mexiko

Einen wunderschönen guten Morgen! Der mexikanische Fußball befindet sich auch weiterhin im freien Fall. Nachdem bereits die Copa de Oro und die Concachampions beide in die USA gegangen waren, kam es nun noch dicker für die Mariachis. Bei der U-20-Meisterschaft der CONCACAF (Nord- und Zentralamerika, Karibik), die am Sonntag in Honduras endete, blieb Mexiko bereits im Viertelfinale und ausgerechnet gegen das Balltretschwergewicht Guatemala auf der Strecke. Die U-20-WM in Indonesien (2023) und die Olympischen Sommerspiele in Paris (2024) finden ohne Mexiko statt, das sich im kommenden Jahr mit zwei Wettbewerben begnügen muss, die außerhalb der Amerikas von den Medien nicht wahrgenommen werden: den 24. Zentralamerikanischen/Karibischen Spielen in El Salvador sowie den 19. Panamerikanischen Spielen in Chile.

Guatemala hat noch nie an einer WM der Großen teilgenommen. In der Qualifikation für Katar blieben die Chapines schon in der Gruppenphase auf der Strecke. Unbesiegt und ohne Gegentreffer (14:0 Tore). Wie das? Nun, Curaçao wies ein Torverhältnis von 15:1 auf! Die FIFA sollte dringend ihr völlig anachronistisches Regelwerk überdenken.

Im Gegensatz zum mexikanischen befindet sich der guatemaltekische Fußball klar im Aufwind. Die nationalen Auswahlen werden neu konfiguriert, verantwortlich zeichnen ausgerechnet zwei mexikanische Trainer. Die Großen hat im November Luis Fernando Tena übernommen. Von den seitdem unter seiner Ägide absolvierten acht Länderspielen (u. a. Nations League) wurde lediglich eins verloren. Gegen Mexiko wurde in Orlando nullgenummert. Doch was die U-20-Auswahl von Rafael Loredo nun erreichte, ist ungleich höher zu bewerten. Zum zweiten Mal überhaupt fährt Guatemala zu einer U-20-WM! Elf Jahre nach ihrem Debüt 2011 beim Kolumbien-Mundial rangen sie den großen Favoriten Mexiko nach Elfmeterschießen nieder. Erst fünzehn Minuten vor Schluss der regulären Spielzeit konnte Esteban Lozano das Match für die Azteken ausgleichen. Kurz vor Schluss Elfmeter für die Mariachis, doch Jorge Moreno hielt den Penal von Lozano. Auch die Verlängerung brachte keine Entscheidung. Schon im Achtelfinale in Tegucigalpa hatten die Chapines vom Punkt Kanada eliminiert. Jetzt war Mexiko dran (ebenfalls Katar-Teilnehmer), deren Kunstschützen (gleich vier versemmelt) nicht zu beneiden waren. Held des Abends war Tormann Moreno, der drei weitere Penalties abwehren konnte.

»Schon wieder die Elfmeter!« lamentierten die mexikanischen Medien hernach, für die die Elimination einer nationalen Tragödie gleichkam – die Niederlage wurde zu einer der Schlimmsten des nationalen Sports überhaupt stilisiert. Für Guatemala stand im Halbfinale noch das Olympiaticket auf dem Programm. Gegner war die Dominikanische Republik, die sich erst durch die Hintertür für die Endrunde qualifizierte und nach dem Viertelfinalsieg gegen Jamaika (1:0) erstmals zu einer WM fährt. Und nicht nur das. Gegen die Chapines, die bereits zur Pause 2:0 geführt hatten, glichen sie mit einem Doppelpack binnen zwei Minuten noch aus, gewannen später auch das Elferballern und sind nun sogar bei Olympia dabei.

Im Finale am vergangenen Sonntag waren sie dann jedoch beim 0:6 chancenlos gegen Titelverteidiger USA, die alle Spiele zu null und das Turnier zum dritten Mal gewannen. Torschützenkönig Paxten Aaronson (sieben Tore) wurde auch zum besten Spieler gekürt, als bester Tormann wurde Christopher Brady (USA) ausgezeichnet. Der Fair-Play-Preis ging an die Dominikaner (0:6). Auch Gastgeber Honduras fährt zur WM nach Indonesien.

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