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Droste

»Basst scho«: Wahre Tierrechte (67)

Während die Gänsin beim Anblick des bewaffneten Andreas zischte, aber vorerst auf Distanz blieb, fiel Jochen seinem alten Freund in den Arm. »Andreas!« sagte er laut. »Lass das bitte! Schießen ist scheiße!«

Andreas sah Jochen aus zusammengekniffenen Augen an, als liefen sämtliche Western von Sergio Leone gleichzeitig in seinem Kopf. Das Spiel – und um ein Spiel handelte es sich – war von kurzer Dauer. Mit einem etwas mokanten Lächeln steckte Andreas das Eisen weg. »Guter Jochen«, sagte er. »Test bestanden. Das ist deine Show hier und auch dein Showdown.« Dann war der Film abgespielt, und Andreas fragte ernsthaft: »Aber ungeschoren davonkommen lassen willst du dieses Verräterschwein doch nicht, oder?«

»Geschoren werden Lämmer und Schafe, Schweine rasiert man«, gab Jochen knochentrocken zurück. »Aber ich kümmere mich darum, ich versprech’s dir.« – »Passt schon«, willigte Andreas ein. »Oder ›basst scho‹, wie man in Franken sagt.« Von draußen war lautes Lalülala zu hören. Beide zuckten zusammen, die Gans zischte aufgeregt: »Ich gehe mal nachsehen«, und war auch schon verschwunden. »Das ist nicht die Feuerwehr«, stellte Andreas klar, griff in eine seiner Hosentaschen, zog einen Autoschlüssel hervor und drückte ihn Jochen in die Hand. »Du weißt ja, wo die Karre steht. Mach das Beste draus.« Er packte Jochen fest bei den Schultern. »Ich schlag mich in die Büsche, gelernt ist gelernt. Und wenn sie nach mir fragen, verschaff mir ein bisschen Vorsprung.« Er nahm Jochen in den Arm. »Und vergiss Augustinus nicht«, flüsterte er ihm ins Ohr, und dann war er weg.

Benommen stand Jochen da, schob, einer alten Regel eingedenk, den Schlüssel in seine Unterhose. Just in diesem Moment kam die Gans zurück, musterte ihn kurz, sparte sich den Kommentar und zischte nur: »Komm schnell mit, Jochen«, sah Jochens Zögern und insistierte. »Mach hinne, du Hacho!«

Fortsetzung folgt

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.12.2018, Seite 11, Feuilleton

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