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Was der Deal ist

Von allen akademisch gebildeten Menschen sind mir leicht angetüdelte Professorinnen stets die liebsten gewesen. Sie sind immer noch klug und souverän, dabei aber etwas gelockert, der Druck, in einer männlich dominierten Neid-, Konkurrenz- und Ellenbogenwelt bestehen zu müssen, fällt peu à peu von ihnen ab. Und auch das missgünstige Verhalten, das von Kolleginnen, anders zwar als von Männern, aber nicht minder tückisch und wirkungsvoll, an den Tag gelegt wird, spielt keine größere Rolle mehr. Es wird gejuxt, Betriebskalkül löst sich zugunsten einer fast naiven, vertrauensvollen Freundlichkeit auf. Hier ist die Frau ganz Mensch und weiblich, weil sie es sein darf, und der Wein oder der Cham­pagner zeigen ihre wohltuenden Wirkungen. Das Schwere und Streng-Angestrengte, gern auch zum Sex/Gender-Gähndiskurs aufgepumpt, wird durch dezente Leichtfertigkeit oder sogar Ausgelassenheit ersetzt. So freundlich verantwortungslos könnte es immer sein und zugehen.

Später im Taxi wird deutlich, was wahre Emanzipation bedeutet: Der Mann behandelt die Frau gleichberechtigt, aber dennoch zuvorkommend und liebenswürdig. Er macht einen Unterschied zwischen Mann und Frau, der nicht verheerend herabsetzend, sondern auf schleimigkeitsfreie, undevote Weise verehrend ist; man könnte von einem milden, positiven und zivilisierten Sexismus sprechen. Männer, die das nicht begreifen oder Angst davor haben, werden klar eingenordet: »Das ist der Deal zwischen Frauen und Männern«, sagt die kluge, schöne Frau sehr dezidiert: »Ihr bringt uns bis vor die Haustür. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und den Rest bestimmen wir.«

Männer, denen diese Selbstverständlichkeit nicht als solche bewusst ist, können sich auch gleich in ihre Stinkmauken schießen. So ist das geregelt, und so ist das richtig und gut.

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.06.2016, Seite 10, Feuilleton

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