-
01.07.2016
- → Feuilleton
Zärtlich und milde gestimmt
Natürlich kann man meinen Geburtstag vergessen. Das macht überhaupt nichts, das ist doch ein Tag wie jeder andere«, sagte er und lächelte so liebenswürdig und warmherzig, als schiene die Sonne selbst ihm aus den Augen, und mit genau diesem bezaubernden Ausdruck im Gesicht warf er, immer schön sorgsam eins auf einmal, ein Dutzend Riedel-Gläser gegen die Wand, wo sie zart zersplitterten. Seine Gastgeber – ein wohlhabendes Paar, das daran gewöhnt war, gut gesättigt im eigenen Saft zu schwimmen – wollten schon protestieren, als er sich dem feinen chinesischen Porzellan zuwandte und es Schälchen um Schälchen und Tellerchen für Tellerchen zu Boden fallen ließ. »Das macht wirklich gar nichts«, sagte er mit der freundlichsten Stimme, die je an ein menschliches Ohr gedrungen war, fegte ein paar sehr teure Vasen von einem Sideboard und ging, leise und zärtlich Cindy Lauper singend, der Türe zu: »And I see your true colours shining through, I see your true colours and that’s why I love you, so don’t be afraid to let them show, your true colours, true colours are beautiful like a rainbow ...«
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!