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Wir waren beschäftigt

Afroamerikaner wurden nur äußerst selten für Oscars nominiert, erinnerte der Moderator der 88. Oscar-Gala, Chris Rock, in der Nacht zum Montag. Mehr als 70mal habe es diese »›Keine Schwarzen‹-Sache« schon gegeben. An Proteste sei in den 50er und 60er Jahren aber kaum zu denken gewesen. »Wir waren damit beschäftigt, vergewaltigt und gelyncht zu werden. Wenn deine Großmutter an einem Baum hängt, ist dir egal, was die beste Dokumentation ist.«

Für die beste Dokumentation wurde die pakistanische Regisseurin Sharmeen Obaid-Chinoy geehrt. Ihr Film »A Girl in the River« erzählt von einer jungen Frau, die nach einer »unehrenhaften« Heirat von ihrem Vater angeschossen und in einen Fluss geworfen wird. Sie überlebt knapp und wird unter Druck gesetzt, den Täter straflos davonkommen zu lassen. Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif versprach nach der Oscar-Nominierung die Änderung eines Gesetzes, nach dem der Täter nicht mehr bestraft werden kann, sobald ihm der Vormund des Opfers vergibt.

Um sexuelle Gewalt gegen Frauen ging es im Dokfilmsong »Til it Happens to You«, den Lady Gaga auf der Bühne vortrug. In Begleitung junger Frauen, auf deren Armen Worte wie »Überlebende« oder »unzerbrechlich« zu lesen waren. Bester Film wurde »Spotlight« über Journalisten, die einen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufdecken. Den »Auslands-Oscar« erhielt der Ungar László Nemes für »Son of Saul«, der im KZ Auschwitz spielt. Die Titelfigur sortiert Kleidung, schleppt Leichen zu den Öfen, schaufelt die Asche in einen See, sucht aber in erster Linie einen Rabbi für die Beerdigung seines Sohnes. Weitere Preise gingen an »The Revenant – Der Rückkehrer« (beste Regie, bester Hauptdarsteller), »Room« (Beste Hauptdarstellerin) und »Mad Max: Fury Road« (Kostüm- und Produktionsdesign, Schnitt, Maske …) (dpa/jW)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.03.2016, Seite 11, Feuilleton

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