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Lektion 6: Imperialismus

junge Welt-Bildungsurlaub 2014

Mit seinen Erscheinungsweisen zu beginnen, fällt leicht. Imperialismus unterwirft, versklavt, plündert, raubt, mordet, brandschatzt, führt Krieg. Damit steht er nicht einzigartig da, das haben vergangene Gesellschafts- und Herrschaftsformen auch schon hinbekommen. Er tut dies indes viel umfassender, gründlicher, brutaler, macht dabei aber durch seine Fürsprecher die Leute glauben, es geschähe zur Rettung der Zivilisation oder zur Wahrung der Menschenrechte oder zu sonst einem guten Zweck. Das war noch bei bisher jedem Krieg so – seit mindestens 100, eher seit 150 Jahren. Zeitgleich mit seinem Auftreten, das ist kein Zufall, entwickelte sich eine Arbeiterbewegung, die ihn bzw. den Kapitalismus abschaffen will. Der ökonomische Vorgang, der diesen Abscheulichkeiten zugrunde liegt, heißt Kapitalakkumulation bzw. Konzentration und Zentralisation des Kapitals. Es entstehen Monopole, man sagt deswegen anstelle von Imperialismus auch Monopolkapitalismus. Aber das will heute keiner mehr wissen. Erst recht will keiner wissen, was Peter Hacks dieser Zeitung kurz vor seinem Tode anvertraute, nämlich daß Imperialismus auch ein Epochenbegriff ist: »Der Imperialismus hat beschlossen, sich nicht für den Sozialismus, sondern für die Barbarei zu entscheiden, das ist das wesentliche Element der gegenwärtigen Epoche.«
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Erschienen in der Ausgabe vom 02.08.2014, Seite 16, Aktion

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