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Progressive Nonne von Rom gerüffelt

Rom. Rund sechs Jahre nach dessen Erscheinen hat der Vatikan ein liberales Buch einer US-Ordensschwester über Sexualität und Liebe scharf verurteilt. Das preisgekrönte Werk »Just Love. A Framework for Christian Sexual Ethics«, in dem die Autorin Margaret Farley unter anderem Masturbation, homosexuelle Partnerschaften und Scheidungen in Ordnung findet, stehe im Widerspruch zur Lehre der Kirche und dürfe von katholischen Pädagogen in der Erziehungsarbeit nicht genutzt werden, teilte die Glaubenskongregation am Montag mit. Sie verurteilte generell »jede Bezugnahme auf Sexualität außerhalb der Ehe«. Farley habe mit ihrem Buch bei den Gläubigen »schweren Schaden« angerichtet.

Die Autorin, Mitglied des Ordens der »Sisters of Mercy« und emeritierte Ethikprofessorin an der Universität Yale, vertritt in dem Buch etwa die Meinung, Selbstbefriedigung werfe »keinerlei moralische Fragen« auf und befördere Partnerschaften eher, als daß sie diese erschwere. Die Glaubenskongregation sieht Masturbation hingegen als »ernstlich gestörtes Verhalten« an.

Mit Blick auf homosexuelle Partnerschaften meint Farley, diese könnten »nach derselben Sexualethik gerechtfertigt werden wie heterosexuelle« und sollten daher respektiert werden. Die gleichgeschlechtliche Ehe könne dem Haß, der Ablehnung und der Stigmatisierung von Lesben und Schwulen entgegenwirken. Der Vatikan spricht von Homosexualität als »schwerer Verderbtheit« und lehnt die Homoehe strikt ab. Zur Ansicht Farleys, nicht alle Ehen könnten ein Leben lang halten, erklärt der Vatikan, scheiden könne sie nur der Tod.
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Rückendeckung erhält die Professorin von etlichen katholischen Theologinnen und Theologen. Auch die Oberin ihres Ordens in den USA, Schwester Patricia McDermott, drückte »tiefes Bedauern« über die Reaktion aus Rom aus. Der Vatikan hatte kürzlich bereits den US-amerikanischen Dachverband der Ordensfrauen für »radikalfeministische Ideen« kritisiert.

(AFP/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 08.06.2012, Seite 15, Feminismus

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