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03.06.2011
- → Feminismus
Fall Kachelmann: Medien in der Kritik
Berlin. Aus Mangel an Beweisen ist der ehemalige
ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann am 31. Mai vom Landgericht
Mannheim vom Vorwurf der schweren Vergewaltigung freigesprochen
worden. Der Vorsitzende Richter Michael Seidling machte in seiner
Urteilsbegründung wiederholt klar, daß es sich um einen
Freispruch zweiter Klasse handele und daß weiter viele
Indizien für den vom mutmaßlichen Opfer geschilderten
Tathergang sprächen. Gleichwohl gelte auch hier der
rechtsstaatliche Grundsatz »im Zweifel für den
Angeklagten«, es sei daher die einzig mögliche
Entscheidung gewesen.
Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes kritisierte anläßlich des Prozeßendes insbesondere die Medienberichterstattung. Von der »Vorverurteilung der Klägerin in Teilen der Öffentlichkeit geht ein fatales Signal aus an alle Betroffene von sexualisierter Gewalt. Sie werden sich in Zukunft noch weniger trauen, Anzeige bei einer Vergewaltigung zu erheben«, befürchtet TdF-Geschäftsführerin Christa Stolle. Zudem sei »gewalttätigen Männern nicht das Gefühl vermittelt« worden, »daß übergriffiges Verhalten gegenüber Frauen verwerflich ist«. Stolle verwies darauf, daß »laut Dunkelfeldforschung« in der Bundesrepublik nur fünf Prozent aller Sexualstraftaten angezeigt werden, das entspricht etwa 8000 Anzeigen jährlich.
(jW)
Ausführliche Stellungnahme von Terre des Femmes: www.frauenrechte.de
Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes kritisierte anläßlich des Prozeßendes insbesondere die Medienberichterstattung. Von der »Vorverurteilung der Klägerin in Teilen der Öffentlichkeit geht ein fatales Signal aus an alle Betroffene von sexualisierter Gewalt. Sie werden sich in Zukunft noch weniger trauen, Anzeige bei einer Vergewaltigung zu erheben«, befürchtet TdF-Geschäftsführerin Christa Stolle. Zudem sei »gewalttätigen Männern nicht das Gefühl vermittelt« worden, »daß übergriffiges Verhalten gegenüber Frauen verwerflich ist«. Stolle verwies darauf, daß »laut Dunkelfeldforschung« in der Bundesrepublik nur fünf Prozent aller Sexualstraftaten angezeigt werden, das entspricht etwa 8000 Anzeigen jährlich.
(jW)
Ausführliche Stellungnahme von Terre des Femmes: www.frauenrechte.de
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