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Lumet gestorben

Der Filmregisseur Sidney Lumet starb am Samstag im Alter von 84 Jahren in New York an Krebs. Er stand für grundsolides Hollywood mit tendenziell linksliberaler Justiz- und Lobbykritik, sozusagen eine gemäßigte US-Ausgabe von Claude Chabrol. Lumet wurde berühmt mit dem Justizdrama »Die zwölf Geschworenen« (1957), das zunächst als Fernsehfilm ein Publikumserfolg war. Bemerkenswert war seine Mediensatire »Network« über Politik, Korruption und Kommerz, die bei der Oscar-Vergabe 1977 im Schatten von Sylvester Stallones erstem »Rocky«-Film blieb, was Lumet besonders ärgerte. Für das innere Gleichgewicht drehte er diverse Thriller, die wie »Hundstage« (1975) oder sein letzter Film »Tödliche Entscheidung« (2007) im Prinzip davon handeln, daß Verbrechen sich doch nicht lohnen würde, bzw. im totalen Desaster enden kann. Doch der Polizei sollte man auch nicht trauen (»Serpico«, 1973). Am berührendsten ist »Der Pfandleiher« (1964) über einen jüdischen KZ-Überlebenden in Spanish-Harlem, am bizarrsten seine Warnung vor dem Atomkrieg »Angriff auf Moskau« aus demselben Jahr, in dem sich der US-Präsident freiwillig in die Luft sprengen läßt, um den Weltfrieden zu retten, nachdem die USA gewissermaßen aus Versehen Moskau bombardiert haben.

Interessanter als diese Filme, die selten über eine knorke Okayness hinausgehen, ist Lumets Werdegang vom Broadway-Schauspieler zum Hollywood-Regisseur. Bis 1949 leitete er eine avantgardistische Schauspielschule in New York und kam dann erst zum Fernsehen und schließlich nach Hollywood, weil man sich für seine Arbeitsmethoden interessierte. Heraus kam schließlich handwerkliche Präzision ohne große Überraschungen. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.04.2011, Seite 13, Feuilleton

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