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Knaack ohne Bässe

Von Marc Diesen
Der Berliner Knaack-Klub kämpft mit den aufstürzenden Neubauten in seiner Nachbarschaft – Gentrification für jedermann. In Zeiten der zunehmenden Verschwabung des Prenzlauer Bergs hat man dem seit 1952 bestehenden Veranstaltungsort in unmittelbarer Nachbarschaft ein Wohnhaus hingestellt, dessen Bewohner über zuviel Lärm jammern, denn sie sind ja in der Stadt und neben einem Musikklub, und da wollen sie nichts anderes als ihre Ruhe, ist doch klar. Das Oberverwaltungsgericht verdonnerte den Klub zur Begrenzung der Lautstärke und Einengung des Frequenzspektrums. Alle Floors außer einem mußten geschlossen werden. Bässe wurden verboten, statt dessen mußte ein spezieller Fußboden eingebaut werden, der Bässe durch Vibrationen simuliert. 260000 Euro pro Etage würde es kosten, von einem baulichen Vakuum umgebene, freischwebende Räume einzubauen, um die Lärmbelästigung »wahrscheinlich« zu unterbinden. Soviel Geld hat das Knaack nicht, schon gar nicht nach der Schließung fast aller Floors und dem daraus erfolgten Einbruch der Einnahmen, teilten die Betreiber auf einer Pressekonferenz am Donnerstag mit. Juristisch sei gegen die Bestimmungen nichts zu unternehmen, auch wenn augenscheinlich Baumängel beim Neubau vorliegen würden. Stumpe (Foto), Sänger von Knorkator, der im Knaack seine ersten Proben und Auftritte hatte, sagt: »Wir werden kämpfen«. Wie dieser Kampf genau aussieht, ist nicht ganz klar.
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Erschienen in der Ausgabe vom 29.06.2010, Seite 13, Feuilleton

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