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Geier am Kunstmarkt

Der Spiegel hat einen britischen Kunstkenner aufgetrieben, der nichts hält von der Rückgabe sogenannter NS-Raubkunst an die Erben der früheren jüdischen Eigentümer. »Mit der Rückgabe von ein wenig Kunst können Sie nichts wiedergutmachen, und man sollte diesen Eindruck auch nicht erwecken wollen«, sagte Sir Norman Rosenthal (64), früher Kurator der Royal Academy in London, dem Magazin. »Unfaßbar Furchtbares ist geschehen. Wie wollen Sie das vergeben? Indem Sie einen Tizian einpacken?« Vielleicht hätte der Spiegel statt »vergeben« besser »wiedergutmachen« übersetzt. Rosenthals Mutter flüchtete aus Deutschland. Er sei nie daran interessiert gewesen, früheres Eigentum seiner Eltern zurückzubekommen und könne verstehen, daß Museumsdirektoren gegen Restitutionen seien. Es sei »schade, wenn Werke plötzlich aus der Öffentlichkeit, aus der Sichtbarkeit verschwinden«. Man müsse bei der Diskussion berücksichtigen, »daß der Kunstmarkt in den vergangenen Jahren explodiert ist und Begehrlichkeiten geweckt hat. Die Leute, die da mitverdienen wollen, erinnern mich an Aasgeier«. Oft genug werde ein Bild sofort nach der Restitution veräußert, »und so mancher Anwalt erhält 50 Prozent des Erlöses«. (ddp/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 06.04.2009, Seite 12, Feuilleton

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