Zum Inhalt der Seite

Unerträglich beruhigend

Französische Schüler haben zu wenig Ahnung vom Holocaust. »Jeder zweite Schüler weiß heute nicht, was die Shoah ist«, sagte Bildungsminister Xavier Darcos am Montag. Er finde dies »beunruhigend«. Deshalb werde er einen Vorschlag von Staatschef Nicolas Sarkozy aufgreifen, nach dem jeder Viertklässler eine Art Patenschaft für eines der rund 11000 französischen Kinder übernehmen soll, das im Holocaust ums Leben gekommen ist.

Lehrer und Psychologen haben nach Sarkozys Vorstoß in der vergangenen Woche darauf hingewiesen, daß es für zehn- oder elfjährige Kinder traumatisch sein könne, auf diese Weise mit dem Holocaust konfrontiert zu werden. Die Auschwitz-Überlebende und Ehrenvorsitzende der französischen Shoah-Stiftung, Simone Veil, nannte Sarkozys Vorschlag »unvorstellbar und unerträglich«. Niemand könne von Zehnjährigen verlangen, »sich mit einem toten Kind zu identifizieren«. (AFP/jW)
junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 19.02.2008, Seite 12, Feuilleton

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!