jW-Ostsee-Tour 2010

jW-Ostsee-Tour 2010

Tagebuch
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    Der erste Tag auf See ...

    Peter Rau
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    "Klar bei Fender und Leinen!"

    Pünktlich um acht Uhr hieß es am Mittwoch für Mannschaft und Mitsegler der „Albin Köbis" im Germaniahafen zu Kiel „Leinen los!" Der Gastgeber unserer jW-Antörntour entlang der Ostseeküste, der Traditionssegler mit dem ehrenvollen Namen eines der roten Matrosen und Wegbereiters der Novemberrevolution verließ seinen Liegeplatz im sogenannten Museumshafen der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein. Am Großmast flatterte unsere eigens für diesen Törn angefertigte Flagge mit dem jW-Schriftzug und der Aufschrift unserer aktuellen Abo-Werbekampagne "Sie lügen wie gedruckt. Wir drucken, wie sie lügen."

    Gut anderthalb Stunden später hatten wir die Kieler Außenförde passiert – vorbei an dem nach einem Großadmiral der kaiserlichen Hochseeflotte benannten Tirpitz-Hafen der Bundesmarine am Westufer der Förde und dem unseligen, zur Erinnerung an die deutschen Opfer des U-Boot-Krieges des Ersten und des Zweiten Weltkrieges gestalteten, inzwischen allen Toten auch der zivilen Seefahrt gewidmeten Marine-Ehrenmal von Laboe. Nach dem Ablegemanöver, das noch mit Maschinenkraft erfolgte, wurden beim Segelsetzen alle Hände an Bord gebraucht, natürlich auch die der mitsegelnden „Landratten".

    Die von Lutz Buche, dem Skipper, wie der Kapitän in der norddeutschen Umgangssprache genannt wird, schon am Vortag beim Anmustern seiner Crew auf Zeit ausgegebene Devise „Learning by doing" funktionierte prompt und beinahe reibungslos. Nahezu im Handumdrehen waren Klüver, Fock-, Groß- und Besansegel aufgezogen. Die vom Seewetterdienst für die Region ausgegebene Prognose sah günstig aus für unser Vorhaben, im Verlauf des Tages die Insel Fehmarn anzulaufen. Der Wind wehte mäßig, teilweise auch frisch aus nordwestlichen Richtungen, der Seegang wurde mit Stärke drei angegeben. Das waren Bedingungen, die einige kleinere Segelyachten in unserer Nähe bereits gehörig zum Tanzen brachten. Doch auch unser Segler mit seinen knapp 25 Meter Länge über alles, also inklusive Bugsprit, und gut 200 Quadratmetern Segelfläche geriet gelegentlich ganz schön ins Schlingern. Trotzdem hielten sich die neben Lutz Buche und seinem Bootsmann Achim Bittrich mitsegelnden zehn Leser und Sympathisanten der jungen Welt als gestandene Landratten ganz wacker im steten Auf und Ab der Ostseewellen; über die wenigen Ausnahmen decken wir natürlich gern den Mantel des verständnisvollen Schweigens.

    Gegen 14 Uhr tauchten am Horizont die Umrisse von Fehmarn auf; unserem gestrigen Tagesziel. Die Insel ist über die 934 Meter lange Fehmarnsundbrücke mit dem Festland verbunden – man sieht sie schon aus zig Seemeilen Entfernung. Allerdings wollten wir nicht unter der Brücke hindurchfahren – unser Skipper entschied sich, nach Backbord abzubiegen und einen Liegeplatz im Dörfchen Orth zu suchen.

    Dort erwartete uns schon unser »Landkommando« - die Kollegen nahmen die Leinen, halfen beim Festmachen und beim obligatorischen Einlaufbier. Dann bauten sie umgehend den »Agitationsstand« auf – ein großer Campingtisch, vollgepackt mit aktuellen Zeitungen und Werbematerial. Jeder vorüberschlendernde Urlauber bekam eine Zeitung in die Hand gedrückt, auch der Hafenmeister wurde beglückt. Nach fünf Minuten kam er zurück: »Jungs, gebt mir noch drei Zeitungen mit, ich habe ein paar Freunde, denen ich das Blatt mal zeigen will.«

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    Ein Schiff wird kommen

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    »Liebeslieder nach 12«: Frank Viehweg

    Und zwar von der Ostsee: Die Künstler der »Antörntour« der jungen Welt

    Am liebsten wäre diese Zeitung ein Piratenschiff. So wie in Monty Pythons letztem Film »Sinn des Lebens« ein Bürohaus, das mitten in der Stadt die Leinen losmacht, die Segel setzt und ab dafür – gegen Kapitalismus, Lügen und Fron. Surfen im Mediendschungel, nicht internetzig-individuell, sondern als Kollektiv sozialistischer Freibeuter.

    Aber Achtung: Ein Schiff wird kommen und zwar vollkommen in echt, im Jetzt und Hier, im Heute und Morgen! Gewissermaßen als Vorschein der Utopie kreuzt zur Zeit die »Albin Köbis« auf der »Antörntour« der jungen Welt auf der Ostsee herum.

    Piratenschiffe müssen schnell und leicht sein, sie müssen immer nahe an der Küste segeln – für blitzartige Beutezüge an Land. Die »Albin Köbis« taucht regelmäßig an Land auf, doch sie verbreitet nicht Angst und Schrecken, sondern Poesie und Freundlichkeit, um die Menschen zu aus ihren alltäglichen Verlegenheiten zu befreien.

    Bei der jW schwärmen Künstler aus an Land und geben Konzerte zur Bewußtseinshebung und Unterhaltungssteigerung, denn »die Spinner sterben aus, mein Schatz, die sanften Wolkenschieber, die Leser aus dem Kaffeesatz, die Don Juans im Fieber«, wie der Liedermacher Frank Viehweg singt. Piratentum für die Seele, Viehweg macht »Liebeslieder nach 12«. Er vertonte und dichtete schon Shakespeare, Silvio Rodriguez oder Wladimir Wyssozki nach. »Viehweg ist ein Mutmacher, ein zornig Liebender im Krieg, der zwischen den Geschlechtern, zwischen den Generationen, zwischen Oben und Unten tobt. Er ist ein Mann, der nach Hoffnung sucht und sie weitergibt, wann immer er sie findet«, schrieb Henry Martin Klemt über ihn.

    Die Sängerin, Schauspielerin und Gesangslehrerin Isabel Neuenfeldt operiert mit dem Akkordeon, »das mir zur Jahrtausendwende in die Hände fiel« wie die alte Piratenkönigin Grace O’Malley mit dem Säbel: kräftig, gefährlich und entrückend. »Zusammen sind wir mobil und nicht so viele«, sagt Neuenfeldt, aber holla, es geht in die Tiefe der Chansons, auf deutsch, französisch, englisch. Neuenfeldt singt ebenso Tom Waits wie Erich Mühsam, Serge Gainsbourg oder Edith Piaf. Das Akkordeon ist ihr Medium der Konkretion wie der Transzendenz.

    Die Lieder von Thomas Putensen nennen die einen Songs, die anderen Chansons – auf jeden Fall sind es Gesänge. Zarte und nicht so zarte Gesänge aus wilden Gefilden. Sie handeln von kaputten Radiomoderatoren und Navigatoren im Raumschiff Welt, von geklonten Genies und ausgeflippten Rentnern, vom allgegenwärtigen Shoppingwahnsinn und alltäglichen Medienblödsinn – eben davon, wie das Leben wirklich spielt. Die Lieder und Etüden entstanden erstmals in Zusammenarbeit mit dem Texter Ed Stuhler.

    Thomas Putensen spielte unter anderem im DEFA Kultfilm »Ete und Ali« (1984) an der Seite von Jörg Schüttauf eine der beiden Hauptrollen, war eine Zeitlang auch Moderator im Kinderfernsehen der DDR. Er wuchtete schon mal ein Klavier in »Wetten daß«, komponierte Filmmusiken und arbeitete als Pianist an der Staatlichen Ballettschule Berlin. Er war unterwegs mit der Panzerkreuzer Putensen Band, jetzt leitet er das Putensen Beat Ensemble und spielt das Programm »Broken Heart auf Kaffeefahrt«. Für Piraten und Landratten – er kapert am liebsten sofort das Herz. (jW)

    Donnerstag, Wismar, 20 Uhr, Konzert mit Frank Viehweg, Technologie- und Gewerbezentrum; 3.7. Rostock-Warnemünde, 20 Uhr, Frank Viehweg, Peter Weiss Haus; 4.7. Rostock, ca. 15 Uhr, Thomas Putensen, Stadthafen; 9.7.Greifswald, 19 Uhr, Isabel Neuenfeldt u.a., St. Spiritus; 10.7. Stralsund, 19Uhr, Thomas Putensen, Kulturkirche St. Jakobi

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    Krimiabend in Kiel

    Claudia Wangerin

    Zu WM-Zeiten haben Buchvorstellungen allgemein eher schlechte Karten – dafür kann der Autor sicher sein, dass das Publikum auch wirklich interessiert ist.

    So war es auch am Dienstagabend im Kieler Kulturzentrum „Die Pumpe“. Der Krimi-Autor und Strafverteidiger Heinz Jürgen Schneider entführte seine Zuhörer – darunter die Teilnehmer der jW-Antörntour – in eine düstere Welt: Das präfaschistische Schleswig-Holstein.

    In seinem Debüt-Roman, der 1931 in Itzehohe spiel, geht es nicht nur um die Frage „Mord oder versuchter Doppelselbstmord“, sondern auch um die Todesstrafe die politische Instrumentalisierung einer jungen Frau, die erhängt in einer Scheune aufgefunden wurde. Nicht aktuell und doch irgendwie aktuell, denn der Lynchmob, der dem Angeklagten – einem polnischen Erntehelfer – den Tod wünscht, ist nicht ausgestorben. Er benutzt heute nur modernere Kommunikationsmittel. Davon kann sich jeder überzeugen, der Online-Diskussionen über spektakuläre Kriminalfälle verfolgt.

    Seine Idee, einen Kriminalroman zu schreiben, stammt aus dem Jahr 2007, sagt Schneider, der zunächst Schwierigkeiten hatte, einen Verlag für den Regionalkrimi zu finden. Den entscheidenden Tip gab ihm jW-Redakteur Gerd Schumann.

    Nach seiner Lesung aus dem bereits erschienenen Roman "Tod in der Scheune" wurden wir zum Premierenpublikum: Schneiders nächster Roman "Tod im Störhafen" erscheint voraussichtlich 2011. Wir erhielten gestern abend schon eine Kostprobe. Empfehlenswert und spannend sind beide Romane.

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    Die jW-Crew ist unterwegs!

    Peter Wolter

    Der große Segeltörn der jungen Welt ist am Dienstag gestartet: Im Kieler Germaniahafen schifften sich gegen Mittag die Mitsegler auf die »Albin Köbis« ein – zeitgleich kam das »Landkommando« an, das die Ostseetour mit dem PKW begleitet.

    Die meisten der Teilnehmer sind Leserinnen und Leser unserer Zeitung, der Rest sind Redakteure bzw. Verlagsmitarbeiter der jW. Die Vorstellungsrunde löste Gelächter aus: Fünf der männlichen Teilnehmer hören auf den Vornamen »Peter«.

    Bei dem Ostseetörn geht es nicht nur um das Segeln, sondern auch darum, ein wenig Werbung für die jW zu betreiben: Vor dem Liegeplatz des Schiffes wird – möglichst in jedem Hafen – ein Pavillon aufgebaut, es werden Zeitungen an Passanten verteilt, die die Hafenpier entlangschlendern, zusätzlich gibt es Abendveranstaltungen mit Lesungen und Diskussionen. Gleich am ersten Abend las in der Kieler Kneipe »Zur Pumpe« der Rechtsanwalt und Krimiautor Jürgen Schneider aus seinem Buch »Tod in der Scheune«, ein regionaler Krimi, der im Jahre 1931 in Itzehoe (nördlich von Hamburg) spielt.

    Am heutigen Mittwoch, für 8.00 Uhr morgens ist für die Bordcrew das Auslaufen angesagt – Ziel ist die Insel Fehmarn, die Fahrt dürfte etwa zehn Stunden dauern. Das müßte locker zu schaffen sein, wenn der Wind das hält, was er am Dienstagabend versprach: Er hatte in Kiel auf etwa sechs Windstärken aufgefrischt, auf See dürften es in Böen sieben gewesen sein. Traumhaftes Segelwetter also, auch wenn die eine oder andere Landratte mit schwachem Magen das im Laufe des Tages anders sehen mag. Bleibt zu hoffen, daß sie schon den Unterschied zwischen "Luv" und "Lee" gelernt haben, falls ihnen irgendwann das Frühstück aus dem Gesicht fallen sollte. Segeln macht aber trotzdem Spaß!

    Das »Landkommando« hat sich erst einmal geteilt: Ein Teil ist schon mal zur mecklenburgischen Küste vorgefahren, wo unser Stützpunkt für die Versorgung mit Zeitungen und Werbematerial ist, der andere Teil bleibt in Kiel, um gegen 10.00 Uhr an einer Demonstration von ver.di teilzunehmen. (Dank an die Kieler SDAJ für die Unterbringung!) Der Protest richtet sich gegen die Kieler Nachrichten, die ihre Druckerei mit Leiharbeitern betreibt. Die hatten die Frechheit besessen, einen Betriebsrat zu gründen, worauf der Zeitungsverlag den Druckauftrag flugs an andere Leiharbeitsfirmen vergab – ein etwas anderer Aspekt der Pressefreiheit. Man kann sie auch als die Freiheit verstehen, Leute zu feuern und Beschäftigten ihre Rechte vorzuenthalten. 389 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind betroffen.

    Die junge Welt ist jedenfalls bei der Demonstration dabei – einige hundert Zeitungen wurden zur Verteilung nach Kiel umdirigiert, es gibt voraussichtlich auch einen Bericht mit Foto. Die Donnerstag-Ausgabe abwarten!

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    Klarmachen zur Ostseetour!

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    Sommer, Sonne, junge Welt: Heute startet in Kiel unsere »Antörntour« auf dem Traditionssegler »Albin Köbis«. Benannt ist die Gaffelketsch nach dem Matrosen Albin Köbis, einem Vorkämpfer der Novemberrevolution von 1918. Zum Klarmachen liegen wir hier am Ostufer der Innenförde, mitten im Germaniahafen.
    Der Abend wird spannend: Heinz Jürgen Schneider, schleswig-holsteinischer Krimiautor, liest aus seinem Buch »Tod in der Scheune« (2009) sowie aus dem Manuskript seines neuen Krimis »Tod im Störhafen«. Die Pumpe, Haßstraße 22, ab 19 Uhr.

    Weitere Termine: www.jungewelt.de/ostsee

    Übrigens: Wir haben eine Scheibe: Holen Sie sich den jW-Frisbee!

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