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Aus: Rosa & Karl, Beilage der jW vom 10.01.2026

Barszcz Czerwony

Von Maxi Wunder

Im Gespräch mit dem Magazin The Atlantic warnte US-Präsident Trump die neue Übergangspräsidentin von Venezuela Delcy Rodríguez, sie werde »wahrscheinlich einen höheren Preis als Maduro bezahlen müssen, wenn sie nicht das Richtige tut«. Das ist nichts anderes als Pate-Sprech, ein Satz aus dem Gangstergenre und überaus ungalant gegenüber einer Frau, die von jetzt auf gleich die Regierungsgeschäfte eines Landes übernehmen muss. Und das nicht, weil sie sich darum gerissen hätte, sondern weil ihr Chef von der gleichen Macht gekidnappt, pardon »verhaftet« wurde, die ihr jetzt im Grunde den Tod androht, wenn sie sich nicht unterwirft. Da macht man sich langsam Sorgen um die Ministerpräsidentin Dänemarks. Erhält sie für Grönland bald »ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann«? Denn eins ist klar: Der Schinken, den Dänemark in die USA exportiert, enthält sehr schweinische Sachen wie zum Beispiel Fett. Damit gefährdet Mette Frederiksen die Gesundheit des gertenschlanken amerikanischen Volkes, oder? – Haftbefehl!

»Völkerrechtswidrige Angriffskriege liegen voll im Trend«, meint Udo, der gerade einen Brief an Kriegsminister Pistolius schreibt. Darin schlägt er nach der überteuerten Ukraine Monaco als Kriegsziel vor. »Die Einnahmen aus dem Spielcasino kann unser Land gut gebrauchen«, erklärt er pragmatisch, und: »Eine zügige Entfernung des monegassischen Staatsoberhauptes ist vertretbar, da der sogenannte Fürst als Nachfahre von Piraten keinerlei Legitimität besitzt. Das Casino zieht unschuldigen Deutschen das Geld aus der Tasche, wir sind verpflichtet, es zu übernehmen, um weiteres Unheil zu verhindern. Hochachtungsvoll.« – »Damit verpesten wir doch wieder die Umwelt«, meint Rossi, »bis die Bundeswehr durch Frankreich ist, mindestens 80.000 Tonnen CO2. Nein, ich schlage die Schweiz vor, die ist näher. Da gibt es die meisten vollen Konten zum Einfrieren. Als Verbrechen prangern wir diesen Raclette an, mit dem sie unsere heimische Käseproduktion alljährlich in die Knie zwingen. Appenzeller und Greyerzer stufen wir als chemische Waffen ein, vor allem die Rinde, die – getarnt als Lebensmittel – in aller Welt stinkende Finger erzeugt. Das verstößt gegen … scheißegal, wir marschieren ein!«

Ja, die Stimmung steht auf 1914, auch in der Plauener Kommune. Doris kann nur den Kopf schütteln: »Was würde eure Rosa dazu sagen?!«

Ganz einfach: »Revolution ist großartig, alles andere ist Quark.« Heiß und ohne Quark empfehlen wir heute: Barszcz Czerwony, eine fruchtige polnische Rote-Bete-Suppe: vier Rote Beten schälen und in Würfel schneiden, eine Zwiebel grob hacken, zwei Karotten schälen und in Scheiben schneiden, zwei Knoblauchzehen fein hacken. Zwiebel, Karotten, ein Lorbeerblatt und ca. sechs Pfefferkörner mit einem Liter Gemüsebrühe zum Kochen bringen und etwa 20 Minuten köcheln lassen. Rote Bete und Knoblauch hinzufügen und weitere 30 Minuten sanft köcheln lassen, bis die Rote Bete weich ist. Einen EL Apfelessig und einen TL Zucker einrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit frischem Dill bestreuen und einen Klecks saure Sahne draufgeben. Dazu Sauerteigbrot reichen.

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