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Algier ließ FIS-Führer frei

Nummer eins der Islamischen Heilsfront verbüßte fünf Jahre Haft

Fünf Jahre nach seiner Verurteilung ist in Algerien der Chef der verbotenen Islamischen Heilsfront (FIS), Abassi Madani, am Dienstag gegen Auflagen aus der Haft entlassen worden. Dies ordnete die Staatsanwaltschaft beim Militärgericht in der Stadt Blida im Süden des Landes an, wo der 66jährige einsaß. Der Universitätsprofessor war im Juni 1991 nach mehrwöchigen Demonstrationen seiner Anhänger, die vorgezogene Wahlen forderten, festgenommen und am 16. Juli 1992 von dem Gericht in Blida wegen Gefährdung der staatlichen Sicherheit zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

Zur gleichen Zeit hatte Madanis Stellvertreter Ali Belhadj eine ebenso hohe Gefängnisstrafe erhalten. Er wurde jetzt aber nicht freigelassen. Erst am 8. Juli war Abdelkader Hachani, die Nummer drei der FIS, aus der Haft entlassen worden.

Die Demonstrationen, zu denen Madani im Mai 1991 aufgerufen hatte, waren von der Staatsgewalt nach fünf Wochen blutig niedergeschlagen worden. Ende 1991 fanden dann Parlamentswahlen statt, bei denen sich ein Sieg der FIS abzeichnete. Daraufhin wurde die Wahl annulliert. Seither befindet sich Algerien faktisch im Bürgerkrieg, in dem die Sicherheitskräfte moslemische Extremisten bekämpfen, die Anschläge und Massaker an der Zivilbevölkerung verüben.

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Wie die algerische Zeitung Le Matin am Dienstag berichtete, sind in der Region Medea südlich der Hauptstadt Algier in der Nacht zu Dienstag erneut zwölf Dorfbewohner von einer Gruppe Bewaffneter getötet worden. Den Opfern seien die Kehlen durchgeschnitten worden. Die Zahl der Opfer des Bombenanschlags vom Montag in einem Vorort von Algier erhöhte sich auf 29. Verletzt worden seien 94 Menschen, berichtete die regierungsnahe Zeitung L'Authentique.

Die FIS hat die Freilassung Madanis als Beitrag zur Lösung der Krise in dem nordafrikanischen Land begrüßt. Die Auslandsvertretung der FIS erklärte am Dienstag in einem Fax an die Nachrichtenagentur AFP in Bonn, die Entlassung Madanis sei eine »positive Entscheidung« von Staatspräsident Liamine Zeroual und werde zu einem Klima beitragen, das einer umfassenden politischen Lösung im Interesse der nationalen Versöhnung dienlich sei.

(AFP/AP/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.07.1997, Seite 0, Ausland

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