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Quittung für Massenbetrug

Albaner erteilten Berishas »Demokraten« eine Abfuhr

Der albanische Präsident Sali Berisha hat den Sieg der Sozialisten und die Niederlage seiner Demokratischen Partei bei den vorgezogenen Parlamentswahlen anerkannt. Berisha äußerte sich am Montag in einer Botschaft an die albanische Bevölkerung. Zuvor hatte der Vize-Präsident der zentralen Wahlkommission, Fatos Klosi, bekanntgegeben, daß das Mitte-Links-Bündnis unter Führung der Sozialisten die Mehrheit der Stimmen gewonnen habe. In Tirana habe die Dreiparteienkoalition aus Sozialisten, Sozialdemokraten und Demokratischer Allianz 14 der 19 Wahlkreise gewonnen.

Die Wahlen folgten einem Aufstand großer Teile der albanischen Bevölkerung, bei denen seit Februar mehr als 1 600 Menschen getötet wurden. Die Erhebung hatte sich am Zusammenbruch betrügerischer Anlagegesellschaften entzündet, wodurch Tausende von Sparern ruiniert worden waren.

Der Vorsitzende der Sozialistischen Partei, Fatos Nano, sagte, er erwarte, daß Berisha nach der Niederlage seiner Demokratischen Partei zurücktreten werde. Das Präsidentenamt stand am Sonntag nicht zur Wahl, doch hatte Berisha für den Fall einer Niederlage seinen Rücktritt angekündigt.

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Die albanischen Monarchisten gaben sich unterdessen zuversichtlich, daß sich die Mehrheit der Wähler bei dem gleichzeitig abgehaltenen Referendum für die Wiedereinführung der Monarchie ausgesprochen haben. Die Wahlbeteiligung lag nach Schätzungen der Wahlkommission bei knapp 65 Prozent. Mit offiziellen Ergebnissen wurde nicht vor Montag abend, mit dem Endergebnis nicht vor Dienstag gerechnet.

Über den Verlauf der Wahl gab es widersprüchliche Berichte. Während die SPD-Bundestagsabgeordnete Verena Wohlleben, die als Wahlbeobachterin der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Albanien war, im Deutschlandradio Berlin von einer »ausgesprochen freien und demokratischen« Wahl sprach, lagen aus einigen Orten Meldungen über Gewalttaten und Behinderungen der Wahl vor. So wurde aus dem Bezirk Fieri nördlich von Vlora die Ermordung eines örtlichen Funktionärs der Demokratischen Partei gemeldet. Bei der Schießerei wurde auch ein Polizist verwundet. In einem anderen Dorf des gleichen Bezirks wurden drei Vertreter der Demokraten verletzt.

In der Hauptstadt Tirana war am Sonntag abend schweres Gewehrfeuer zu hören. Der staatliche Rundfunk forderte die Bürger auf, sich nicht im Freien aufzuhalten.

jW/AFP/AP

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.06.1997, Seite 0, Ausland

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