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Tudjman nutzte Heimvorteil

Von den Medien gepushter Präsident bleibt Staatschef aller Kroaten

Der kroatische Präsident Franjo Tudjman ist bei der Wahl am Sonntag erwartungsgemäß in seinem Amt bestätigt worden. Nach Auszählung von 83 Prozent der Stimmen kam Tudjman auf 59,81 Prozent, wie die Wahlkommission am Montag mitteilte. Der sozialdemokratische Herausforderer Zdravko Tomac erreichte demnach 21,96 Prozent der Stimmen, Vlado Gotovac von den Sozialliberalen kam auf 18,23 Prozent. Beide Oppositionskandidaten schnitten damit besser ab, als ihnen in Umfragen vorhergesagt worden war.

Unmittelbar nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse zeigte das staatliche Fernsehen einen strahlenden Tudjman, der von seinen Anhängern gefeiert wurde. Der Herausforderer Tomac erklärte, bei den nächsten Wahlen werde die Opposition genügend Stimmen erhalten, um Kroatien zu einem modernen europäischen Staat umzugestalten.

Gotovac sagte mit Blick auf Tudjmans Unterstützung durch die staatlichen Medien, bei der Wahl hätten keine fairen Bedingungen geherrscht.

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Die Wahlkommission gab die Wahlbeteiligung zunächst nicht bekannt. Sie lag drei Stunden vor Schließung der Wahllokale bei lediglich 42,5 Prozent. Die Opposition sprach von einer etwas mehr als 50prozentigen Beteiligung. Die Behörden hatten erwartet, daß rund 70 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gehen würden. Auch fast 400 000 im Ausland lebende Kroaten, darunter allein 330 000 in Bosnien, waren stimmberechtigt.

Tudjman, der angeblich krebskrank ist, führte das Land 1991 in die Unabhängigkeit von Jugoslawien. 1995 eroberte die kroatische Armee die serbisch besiedelte Krajina. Noch in diesem Jahr soll Ostslawonien, der letzte mehrheitlich serbisch bewohnte Landstrich Kroatiens, kroatischer Staatshoheit unterstellt werden. Dort war die Wahlbeteiligung nach UN-Angaben extrem niedrig. Erneut hätten Tausende ihre Namen nicht auf den Wählerlisten gefunden, berichteten Reporter aus der Region.

Tudjman war in den vergangenen Wochen insbesondere von den USA wegen Menschenrechtsverletzungen gegenüber im Land verbliebenen Serben scharf kritisiert worden.

AP/jW

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.06.1997, Seite 0, Ausland

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