Geständiger des Tages: Benjamin Netanjahu
Das Kürzel NAZA bezeichnet im israelischen Militärjargon die bei einem Angriff zu erwartenden zivilen Opfer. Im gleichnamigen Dokumentarfilm der Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor berichten 24 anonymisierte israelische Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter, wie mit Hilfe von KI und Überwachung in Gaza Angriffsziele ausgewählt und dabei der Tod ganzer Familien, in bestimmten Fällen sogar hunderter Zivilisten, einkalkuliert worden sei.
Die Tötung selbst von Kindern sei als Teil der Mission betrachtet worden, denn in Gaza gebe es keine Unschuldigen, erklären Interviewte. Jeder Einsatz sei »ein verrückter Spaß« gewesen, »wie ein Videospiel«. Im übrigen sei man doch »nur ein kleines Rädchen« gewesen und die eigene »Rolle rein technisch« – so wird der Massenmord per Knopfdruck aus der Ferne zum banalen Schreibtischjob.
Zentrale Vorwürfe aus »NAZA« werden durch weitere Aussagen israelischer Soldaten gestützt, die der Spiegel diese Woche veröffentlichte. »Die Regel war: Schießt auf jeden, den ihr seht«, berichten die Militärs über die Tötung unbewaffneter Zivilisten. Bei einem Angriff auf einen hochrangigen Hamas-Funktionär sollen bis zu 300 zivile Todesopfer als möglicher Kollateralschaden einkalkuliert worden sein.
Premierminister Benjamin Netanjahu wirft den Filmemachern vor, Israel zu diffamieren und antisemitische Erzählungen zu bedienen. Nun hat er den Inlandsgeheimdienst, den Generalstab und die Justiz aufgefordert, die Identitäten der an »NAZA« beteiligten Soldaten und Offiziere offenzulegen und sie vor Gericht zu bringen. Sie hätten »schwere Straftaten begangen, indem sie hochgeheime Informationen preisgaben und eine Lücke in die Informationssicherheit einer hochsensiblen nachrichtendienstlichen Einheit rissen«. Das klingt wie das Eingeständnis des politisch Hauptverantwortlichen, dass die im Film enthüllten »hochgeheimen Informationen« zum Genozid in Gaza zutreffend sind.
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