Zum Inhalt der Seite
Reduzierter Gesundheitsschutz

Sommer der Krankheiten

In den USA verursachten Budgetkürzungen und reduzierte Kontrollen eine Welle lebensmittelbedingter Gesundheitsprobleme

USA
Foto: Newscom World/IMAGO
Mit Cyclospora kontaminierte Himbeeren führten in den USA zu zahlreichen Infektionen

Eine Welle von lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen, Kontaminationen und Rückrufen schwappte in diesem Sommer über die USA. Ein schwerwiegender Cyclosporaausbruch, ausgehend von verunreinigtem Eisbergsalat, verursachte starke Durchfallerkrankungen. Zusätzlich wurden shigatoxinproduzierende Bakterien in Biotiefkühlbeeren nachgewiesen. Sowohl Salmonellen als auch E. coli wurden in Sprossen, Jalapeños und Eiern festgestellt. Außerdem mussten 10.000 Kartons Tofu wegen einer möglichen Verunreinigung mit Druckfarbe unter Beobachtung gestellt werden.

Laut einer Analyse des US-Magazins Wired auf Grundlage öffentlich zugänglicher Zahlen aus den Untersuchungen der Food and Drug Administration (FDA) zu lebensmittelbedingten Erkrankungen hat die Behörde im Jahr 2026 mehr als 12.800 derartige Fälle registriert. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag die entsprechende Zahl bei lediglich 895.

Der durch Jalapeños ausgelöste Salmonellenausbruch hat mittlerweile in mehr als zwei Dutzend Bundesstaaten zu mindestens 431 Erkrankungsfällen und 57 Krankenhauseinweisungen geführt. Unterdessen sind 55 Menschen in 15 Bundesstaaten von Erkrankungen betroffen, bei denen zwei Erreger, E. coli und Salmonellen, im Zusammenhang mit Alfalfasprossen nachgewiesen wurden.

Was diesen Sommer als besonders problembeladen markiert, ist die Schwere und das Ausmaß einiger der in diesem Zeitraum durch kontaminierte Lebensmittel verursachten ernsten Gesundheitsprobleme. Allein der durch verseuchtem Eisbergsalat in Verbindung stehende Cyclosporaausbruch führte laut den US-amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) dazu, dass mehr als 11.000 Menschen betroffen waren, über 400 ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten und mindestens zwei Personen starben. Dabei könnte es sich zudem noch um eine Unterzählung handeln. Trotzdem gilt der Ausbruch bereits als einer der größten dokumentierten Fälle von lebensmittelbedingten Erkrankungen in den USA seit Jahrzehnten.

Anzeige

Der »Sommer der Krankheiten« ist vor allem einer chronischen Unterfinanzierung der Lebensmittelsicherheit, einer gelockerten behördlichen Überwachung von Krankheitserregern und jüngsten Kürzungen in der öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur durch die Regierung Donald Trumps geschuldet. Das Ministerium für Gesundheit und Soziales, dem CDC und FDA unterstehen, verlor infolge der Mittelkürzungen während der zweiten Trump-Administration rund 20.000 Beschäftigte. In der Folge mussten mehrere FDA-Programme zur Lebensmittelsicherheit ausgesetzt werden, darunter das »Netzwerk zur aktiven Überwachung lebensmittelbedingter Erkrankungen« (Foodnet) sowie Programme zur Qualitätskontrolle. Auch die CDC selbst ist von den Kürzungen betroffen. Durch Entlassungen und Kündigungen verlor die Behörde mehr als 3.000 Mitarbeiter und damit ein Viertel ihrer Belegschaft. Gleichzeitig kam es zu einer raschen Abfolge meist nur vorübergehend eingesetzter verantwortlicher Personen, die über wenig oder keine Ausbildung im Bereich Medizin bzw. öffentlicher Gesundheit verfügten.

Im Jahr 2025 wurden zudem die Zuschüsse der Gesundheitsbehörden der Bundesstaaten, die häufig als erste auf lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche reagieren, durch die US-Bundesregierung um rund zwölf Milliarden Dollar reduziert. Zusammen mit dem Personalabbau hat dies das System schnell an seine Grenzen gebracht. Bei größeren Ausbrüchen fehlt es an der nötigen Verstärkung, wodurch die Fähigkeit der Behörden zur Eindämmung von Krankheiten beeinträchtigt wird.

Der Minister für Gesundheit und Soziales, Robert F. Kennedy Jr., erklärte hingegen, dass die Kürzungen bei der CDC und der FDA die Ermittlungen im Fall Cyclospora nicht behindert hätten. »Diese Kritik ist unbegründet«, sagte Kennedy während einer Pressekonferenz am 21. Juli. »Es gab keine Kürzungen beim Überwachungsprogramm. Wir haben zwar Maßnahmen dieser Art beim Foodnet-Programm vorgenommen, diese betrafen jedoch redundante Überwachungsmaßnahmen.«

Foodnet war ab 2025 nicht mehr verpflichtet, aktiv über sechs von acht Krankheitserregern, darunter Cyclospora, zu berichten. Die CDC bezeichnete diese Änderung in einer Erklärung gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press im August 2025 als eine Maßnahme, um »Kernaktivitäten zu priorisieren« und »Ressourcen effektiv einzusetzen«. Zehntausende Menschen davor zu bewahren, mit Fäkalien verseuchten Salat zu konsumieren, gehörte offenbar nicht dazu.

Themen:
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 05.09.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!