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Für Posten im Osten
Showdown im BSW: Ministersesselströmung in Thüringen verlässt vor Wahl in Sachsen-Anhalt die Partei. Wagenknecht: Ausgetretene spielen »im Team CDU«
Die Auseinandersetzungen zwischen der Bundesspitze des BSW und der Führung des Landesverbands der Partei in Thüringen enden mit einem lauten Knall. Zwei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der das BSW um den Einzug in den Landtag kämpft, sind am Freitag alle Thüringer BSW-Landtagsabgeordneten, die der Strömung um die Landesvorsitzende und Finanzministerin Katja Wolf zuzurechnen sind, aus der Partei ausgetreten. Auch mehrere Mitglieder des Landesvorstandes traten aus der Partei aus. Unter den Ausgetretenen sind neben Wolf auch die beiden anderen BSW-Minister. Drei Abgeordnete hatten die Partei (und die Fraktion) bereits am Mittwoch verlassen, zugleich aber angekündigt, die Regierung weiter zu stützen. Keiner der Ausgetretenen scheint die Absicht zu haben, das über die BSW-Liste erworbene Mandat niederzulegen.
Wolf trat gegen Mittag in Erfurt zusammen mit Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) und Innenminister Georg Maier (SPD) vor die Presse. Alle drei bekräftigten die Absicht, die Regierungsarbeit fortzusetzen. Voigt sprach von einem »Tag der Klarheit«; er blicke mit »großem Respekt« auf den Entschluss zum Austritt aus dem BSW. Wolf sagte, man könne jetzt »wieder ohne Angriffe von außen« Sacharbeit leisten. Maier erklärte, er sei froh, dass »der Zeitpunkt jetzt da ist«. Zur Begründung für den Austritt verwies Wolf auf einen »nicht mehr erträglichen Flirt mit Herrn Höcke im Landtag«. Sie meinte damit offenbar das von BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht abgelehnte »Angebot« von AfD-Fraktionschef Björn Höcke, sie im Landtag zur Ministerpräsidentin zu wählen. Thüringen, so Wolf, sei zum Spielball in einem Wahlkampf in einem anderen Bundesland gemacht worden. Sie und die anderen Ausgetretenen stünden weiter auf dem Boden des Regierungsprogramms.
Da die Wolf-Gruppe zwar aus der Partei, aber nicht aus der Fraktion ausgetreten ist, ergibt sich vorerst die Situation, dass der zuletzt noch zwölf Mitglieder zählenden BSW-Fraktion nur noch zwei BSW‑Mitglieder – Anke Wirsing und Sven Küntzel – angehören. Über das weitere Vorgehen soll laut Wolf in der kommenden Woche entschieden werden. Denkbar scheint, dass die Wolf-Gruppe die Fraktion auflöst und sich den drei zuvor ausgetretenen Abgeordneten anschließt, die bereits eine neue Partei mit dem Namen »Deine Stimme zählt« gegründet haben. Auch andere Varianten sind möglich. Gewählt werden dürfte die Option, die allen Beteiligten die größte Sicherheit bietet, dass sie ihre Ämter und Mandate behalten. Da der Koalitionsvertrag von Parteien und nicht von Einzelpersonen geschlossen wurde – worauf am Freitag Linke-Fraktionschef Christian Schaft hinwies –, müsste ein nicht anfechtbares Verfahren für das angestrebte »Weiter so« gefunden werden.
BSW-Gründerin Wagenknecht hatte die Regierungsbeteiligung in Thüringen, über deren Modalitäten sie bereits im Herbst 2024 mit Wolf in Streit geraten war, immer vernehmlicher kritisiert. Zuletzt forderte die Bundespartei, dem infolge einer Plagiatsaffäre angeschlagenen Ministerpräsidenten Voigt die Unterstützung zu entziehen. Dieser Kurs wurde aber nur von zwei Abgeordneten unterstützt.
Am Sonntag sollte eigentlich ein Sonderparteitag des Thüringer BSW über die Regierungsbeteiligung diskutieren. Wagenknecht sagte am Freitag gegenüber dpa, die Austritte erfolgten auch deshalb jetzt, weil die Beteiligten auf diesem Parteitag »keinen Rückhalt mehr für ihren Kurs bekommen hätten«. Vor allem aber gehe es darum, »der Partei, der sie ihre Mandate und Ministerposten verdanken, vor der Wahl in Sachsen-Anhalt maximal zu schaden«. Es sei deutlich geworden, dass »Katja Wolf und die Mehrheit der Thüringer Fraktion eher im Team CDU spielen«.
Dass das Tischtuch zerschnitten war und der Ministersesselflügel in Thüringen auf gepackten Koffern saß, dürfte im BSW indes für niemanden mehr ein Geheimnis gewesen sein. Nun haben Wolf und Co. sich als Zeitpunkt für ihren Abgang die Wahl in Sachsen-Anhalt ausgesucht. Der gewählte Zeitpunkt ist zumindest ein Indiz dafür, dass es hier tatsächlich darum geht, der Wagenknecht-Partei Schaden zuzufügen. Ob dieses Kalkül aufgeht, wird sich zeigen. Das BSW wirkt durch die Abgänge in Thüringen zwar ausgerechnet vor der wichtigen Wahl in Sachsen-Anhalt wie eine Partei in Auflösung, ist andererseits aber die Regierungsbeteiligung in Thüringen los, die auf der Bundesebene und in den meisten Landesverbänden schon lange als wesentliche Ursache für das Ende des Umfragehöhenflugs der ersten Monate nach der Parteigründung betrachtet worden ist.
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Hans Wiepert aus Berlin 7. Sept. 2026 um 19:52 UhrFrau Wolf wechselte Partei Nummer eins, die Linke, als diese im Tief war – und erhoffte sich Salär und Dienstwagen mit dem BSW. Sie verlässt Partei Nummer zwei, um ja nicht die Koalition zu beenden – erst im Dezember 2026 ist ja die Pensionsberechtigung erreicht. Dass ihre Partei Nummer drei nun ausgerechnet »Thüringen gerecht« heißt, mag Frau Wolf als persönliche Pointe begreifen. Das konsolidierte (und für manche überraschende) Ergebnis von über fünf Prozent des BSW in Sachsen-Anhalt ist die tatsächliche Pointe.
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Uwe Joachim aus Pasewalk 7. Sept. 2026 um 12:07 UhrMöglicherweise spielen Entscheidungen anderer BSW-Landesverbände eine Rolle. So hat das BSW ein Sofortprogramm für ein friedliches Mecklenburg-Vorpommern entworfen und fordert neben dem Stopp der Waffenlieferungen an die Ukraine »Keine Bundeswehr in den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns«, ein »Nein zur Wehrpflicht« und einen »Stopp der Militarisierung Mecklenburg-Vorpommerns«. Für die Landtagsanträge hofft das Bündnis auf eine Mehrheit, auch mit Stimmen der AfD. Ein klares Bekenntnis zur Unterstützung dieses Sofortprogramms von seiten der AfD gibt es bisher nicht, und so hält das BSW der Alternative den Spiegel vor. Der »Tag der Klarheit« (Mario Voigt) zeigt deutlich, »klare Kante« gegen die Militarisierung braucht Rückgrat, das Kleben an Posten, Sitzfleisch. Mit dem Parteiaustritt haben sich die Thüringer BSW-Landtagsabgeordneten für letzteres entschieden.
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Wenn in der Überschrift von »Für Posten im Osten« und in der Unterüberschrift von »Ministersesselströmung in Thüringen« die Rede ist – ein Vorwurf, gegen den sich eigentlich niemand wehren kann –, verschweigt man die politischen Gründe für den Partei-Austritt der Thüringer BSW‑Landtagsabgeordneten. »Zur Begründung für den Austritt verwies Wolf auf einen ›nicht mehr erträglichen Flirt mit Herrn Höcke im Landtag‹. Sie meinte damit offenbar das von BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht abgelehnte ›Angebot‹ von AfD-Fraktionschef Björn Höcke, sie im Landtag zur Ministerpräsidentin zu wählen.« Was Popp hier als Begründung für den Austritt von Wolf anführt, ist sehr fragwürdig und unlogisch, näher an der Wahrheit ist zdfheute vom 13.08.2026: »Thüringer Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW) attestierte Wagenknecht und der BSW-Bundesspitze am Donnerstag auf Welt TV einen ›gefährlichen Kurs‹, den er ›nicht mittragen‹ könne. Er bezog sich auf Wagenknechts Festlegung, dass das BSW im künftigen Landtag von Sachsen-Anhalt die Wahl eines AfD-Ministerpräsidenten ermöglichen könnte, indem es sich im dritten Wahlgang der Stimme enthalten würde. Dem ›Tagesspiegel‹ sagte Schütz: ›Wir haben das BSW gegründet und aufgebaut, weil wir eine demokratische Alternative für Menschen sein wollten, die sich von der Politik nicht mehr gesehen fühlen. Nicht um Höcke, Weidel & Co. an die Macht zu helfen.‹« Zu Wagenknechts »Flirt mit Herrn Höcke« gehört auch ihr Betteln an Höcke für ein TV-Duell.
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Peter Tiedke aus Golzow 7. Sept. 2026 um 11:45 UhrWer noch Zweifel am Charakter von Wahlen im Rahmen der bundesdeutschen Demokratie besaß, bekam hier noch einmal ein Praxisbeispiel. Muss man ein Schelm sein, wenn man die Aktion der von Nico Popp so hübsch als „Ministersesselströmung“ bezeichneten Ex-BSWler im Zusammenhang mit den monatlichen rd. 15.000 Euro hohen Amtsbezügen sieht? (Plus Zuschläge und Pensionsansprüche.) Auch sehr praktisch, dass der Abgeordnete/Minister „nur seinem Gewissen gegenüber verantwortlich“ ist. Wenn sich dort dann eine Leerstelle zeigt, hat der Wähler Pech gehabt. Wie undemokratisch dagegen die Regelung im DDR-Wahlgesetz, die den Abgeordneten zur Rechenschaft gegenüber den Wählern verpflichtete und er auch abberufen werden konnte! Wie soll man da Karriere machen?! Völlig nachvollziehbar meinte Ex-SPD-Chef Müntefering einst, es sei „unfair, Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen“.
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Fridolin aus Berlin 5. Sept. 2026 um 17:55 UhrEs ging der braven Parlamentspartei BSW niemals um die Frage »Ministersessel oder Fundamentalopposition«, wie uns dieser Artikel einreden will. Für Sahra stand niemals zur Diskussion, Regierungen prinzipiell nicht mehr zu unterstützen. Vielmehr stürzte das BSW unter 5% ab, nachdem Sahra ab Oktober 2025 das »verräterische, korrumpierte« BSW Brandenburg zerlegte. Hätten Nico Popp (und die AfD) recht, so hätte das BSW durch seine »Befreiung von den Ministersesseln« an Ansehen gewinnen müssen. Aber es stürzte in Brandenburg durch die Zerlegung von 9% auf 4% (Meinungsumfragen zwischen Okt. 2025 und heute). Heute weiß niemand mehr, welche Regierung er unterstützt, wenn er BSW wählt. Die Wähler sind nicht blöd. Genau deshalb – wegen des Herumeierns in dieser Frage und wegen nichts anderem – ist das BSW auf 3-4% abgestürzt. Nur in Thüringen blieb das Vertrauen zufolge der Meinungsumfragen bisher erhalten (7%).
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Mir als Mitglied des BSW ist es kein Bedürfnis, der Gruppe um Wolf nachzutrauern. Der Schaden ist immens dank den Herrschaften, die mit BSW-Mandat einen Ministerposten erhielten und dann im Fahrwasser der CDU und der SPD alles mittrugen, was da so ausgedacht wurde. Der Zeitpunkt ist an Schäbigkeit nicht zu überbieten und zeigt, wie diese Truppe »gestrickt« ist. Kann man nicht einfach austreten und dann die »Schnauze« halten? Diejenigen, die das Sprungbrett bauten und hielten, also die »einfachen« Mitglieder und die Unterstützer, wurden von Wolf, Schütz und Co. nur noch verarscht. Ich danke hier vor allem denjenigen Mitgliedern und Unterstützern in Thüringen, die weiter zur Stange halten. Das BSW wird weiter existieren und wachsen, auch in Thüringen. Ich hoffe sehr, dass die Quittung für dieses üble Verhalten dieser Gurkentruppe sehr bald kommt....
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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