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Konjunkturerholung

Wirtschaftswachstum zieht leicht an

Forschungsinstitute veröffentlichen Herbstgutachten: Prognosen auf 1,3 bis 1,4 Prozent Wachstum erhöht

Von Mirko Knoche
Foto: Jennifer Brückner/dpa
Wirtschaft richtet sich langsam auf (Symbolbild)

Die Wirtschaftsforscher in der BRD haben wieder in die Glaskugel geschaut: Für 2026 sagen sie ein erhöhtes Wachstum der deutschen Volkswirtschaft zwischen 1,3 und 1,4 Prozent voraus. Das besagen die am Donnerstag veröffentlichten Herbstgutachten der Forschungsinstitute RWI, Ifo, IWH und IfW. Noch im Juni lagen die Prognosen um 0,5 bis 0,6 Prozentpunkte niedriger. »Deutliche Impulse aus dem Ausland und die Mehrausgaben für Infrastruktur, Klima und Verteidigung« benannte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser laut Nachrichtenagentur AFP als Gründe für die leichte Erholung. Allein in diesem Jahr füttere das Finanzministerium Branchen wie die Bau- und Rüstungsindustrie mit 40 Milliarden Euro, so der Bericht des Münchner Instituts.

Keine Hoffnung für das laufende Jahr machen die Konjunkturgurus allerdings den derzeit überflüssigen Lohnabhängigen. Erst 2028 werde die Erwerbslosenquote von derzeit 6,3 Prozent auf 5,4 Prozent sinken, so die Ifo-Studie. Das IfW in Kiel ist pessimistischer und geht davon aus, dass die industrielle Reservearmee auch 2028 nicht merklich schrumpfen wird. Tatsächlich brach die Zahl der offenen Stellen mit rund einer Million Jobangeboten auf das niedrigste Niveau seit sechs Jahren ein, gab das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit gleichentags bekannt.

Das RWI in Essen sieht außerdem eine deutliche Schwäche des privaten Konsums. Das bemängelte auch das Berliner DIW, das bereits am Mittwoch seine Prognose veröffentlicht hatte. Der Leiter der RWI-Konjunkturabteilung, Torsten Schmidt, warnte am Donnerstag, dass Exporte und Staatsausgaben zwar Bewegung in die Wirtschaft brächten: »Doch ohne mehr private Investitionen und Konsum bleibt die Erholung fragil.«

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Einen dämpfenden Effekt hatte zudem das Niedrigwasser am Rhein, befanden die Institute übereinstimmend. Weil die Binnenschiffe mit weniger Ladung fahren mussten, war die Logistik, besonders die der Chemie- und Stahlindustrie, beeinträchtigt. Trotzdem bleibt das verarbeitende Gewerbe der Hauptmotor des leichten Aufschwungs. Hier erwartet das RWI ein Wachstum von 1,9 Prozent im laufenden Jahr. Das stütze sich im Exportsektor auf den weltweiten Boom im Bereich künstliche Intelligenz (KI), analysierte das IWH in Halle (Saale). Das berge auch Gefahren für die Konjunkturbelebung nach mehreren Jahren der Stagnation. Denn viele Finanzmarktbeobachter befürchten das Platzen einer regelrechten KI-Blase. Zudem, so die Hallenser, seien die Produktionskapazitäten der vom Boom erfassten Industrien ausgelastet.

Außerdem warnt IWH-Chefmakroökonom Oliver Holtemöller: »Ein Konjunkturrisiko speziell für Deutschland und Europa ist nach wie vor die Möglichkeit einer Energiekrise.« Weil Iran nach der US-amerikanischen Aggression die Straße von Hormus geschlossen hat, gelange fast kein Flüssigerdgas aus Katar mehr in die BRD, so die Forscher. Nach der ungeklärten Sprengung der Nord-Stream-Pipeline hatte der damalige Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck im Golfemirat die deutsche Energieversorgung abgesichert. Sowohl Ölangebot als auch -nachfrage hätten auf die Krise reagiert, die Golfstaaten etwa hätten erhebliche Mengen über Pipelines umgeleitet und China hätte als Hauptabnehmer gleichzeitig seinen Verbrauch vermittels Anzapfen seiner Reserven reduziert.

Die steigenden Ölpreise sind zwar an den Tankstellen direkt auf die Verbraucher durchgeschlagen, an das allgemeine Preisniveau werden sie aber verzögert weitergegeben. Daher werde die Inflationsrate sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr mit 2,7 Prozent hoch bleiben, sagt das Kieler IfW voraus. Das beeinträchtige den privaten Konsum noch weiter. Am Mittwoch hatte die Mineralölbranche laut dem ADAC für einen Liter E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,215 Euro veranschlagt. So teuer sei Sprit seit März 2022 nicht gewesen.

Die Inflation liegt damit 0,7 Prozentpunkte über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main. Die Kieler Ökonomen erwarten daher im September eine Erhöhung des Leitzinses von 2,25 auf 2,5 Prozent. Die Politik des billigen Geldes, so scheint es, ist nicht zuletzt durch das US-amerikanische Abenteurertum im Iran auf absehbare Zeit vorbei.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.09.2026, Seite 5, Inland

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