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Sachsen-Anhalt

Im Wald der Symbole. Briefe aus Blauland

Briefe aus Blauland

Foto: Karina Hessland/IMAGO
Die SPD hat sich staatsmännisch wie einst Adenauer für den Slogan »Erfahrung statt Experimente« entschieden

Lieber Freund, du fragst, wie es hier im sachsen-anhaltischen Wahlplakatewald aussieht? Nun, die AfD ist omnipräsent und leicht zu erkennen am dunkelblauen Hintergrund. Ihr Slogan »Alles ist möglich« klingt wie das Motto eines Swingerclubs in Dessau-Roßlau: verheißungsvoll, prickelnd und am Ende vermutlich ziemlich enttäuschend.

Die FDP ist demoskopisch überhaupt nicht mehr wahrnehmbar, aber durch das knallige Gelb ihrer Plakate um so sichtbarer. »Weil sich was ändern muss«, lautet ihr Schlachtruf, als wäre sie in den letzten Jahren nicht an der Regierung gewesen. Dass überall, wo Platz ist, auch noch Wolfgang Kubicki geknetscht wurde, veranschaulicht noch einmal selbstironisch, wie veränderungsfähig diese Partei ist.

Die SPD hat sich für den Slogan »Erfahrung statt Experimente« entschieden. Staatsmännisch wie Adenauer. Dazu schaut der Spitzenkandidat wie einst Che vor rotem Hintergrund düster-visionär in die Ferne. Nur hat er erst vor kurzem, als die SPD unter fünf Prozent stand, für eine Absenkung der Fünfprozenthürde auf drei Prozent plädiert. Weniger staatstragend geht es wohl kaum.

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Die Grünen sind mit »Nur mit grün« genauso unkreativ unterwegs wie das BSW mit »Gefährlich ehrlich«. Immerhin zeigen sich die Klimabewegten äußerst engagiert und stehlen den Zeugen Jehovas seit Wochen die besten Plätze an nahezu jedem Bahnhof im Land, um Obst und Flyer zu verteilen. So engagiert hat wohl noch niemand um magere fünf Prozent gekämpft.

Die Linke setzt mit »Heimat ist für alle da« einen klaren Akzent gegen die AfD. Ganze 34 Kandidaten auf der Landesliste kämpfen unter diesem Slogan für ein Mandat. Daraus kann man schließen, dass Die Linke sich bei rund 30 Prozent der Stimmen sieht. Ambitioniert, um es vorsichtig zu sagen.

Bleibt die CDU. Nur, wo bleibt sie denn? Keine schwarzen, keine blauen Plakate. Erst auf den zweiten Blick fällt dieses Orange auf, das also doch nicht zu den Freien Wählern gehört. Da ist der Kandidat (orange umrandet), darunter sein Nachname und mikroskopisch klein am Rand der Name der Partei. Einen Slogan sucht man vergeblich, den gibt es nur für den Ministerpräsidenten. Auf seinen Plakaten steht »Sven Schulze macht das«, wenn er bessere Medizin fordert oder Lebensleistungen würdigt. Das Geld war wohl knapp, denn die Rollstuhlfahrerin, der er auf einem Plakat die Hand reicht, steht auf dem nächsten Plakat neben ihm, seine Hand gottschalkmäßig auf der Schulter. Entweder ist Schulze nebenbei als Wunderheiler unterwegs oder die CDU gibt sich besonders viel Mühe, die Sachsen-Anhalter zu belustigen. Ob das ausreicht, um gewählt zu werden, wird sich zeigen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.08.2026, Seite 11, Feuilleton

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