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Betriebe drücken sich
DGB-Report: Viele Unternehmen klagen über Fachkräftemangel – bilden aber nicht aus. Azubis bemängeln geringe Vergütung und fehlende Übernahmezusagen
Kurz vor dem Start ins neue Ausbildungsjahr veröffentlicht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) traditionell die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter Auszubildenden aus den 25 am stärksten besetzten Berufen mit dualer Ausbildung.
Anders als bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, die Anfang August von 80 Prozent zufriedenen Azubis berichtete, ergab der DGB-Ausbildungsreport ein differenzierteres Bild: 65,7 Prozent der insgesamt 13.227 zwischen Mai 2025 und Mai 2026 Befragten waren mit ihrer Ausbildung »zufrieden« oder »sehr zufrieden«. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das einen Rückgang um knapp sechs Prozentpunkte. Zudem unterscheidet sich die Zufriedenheit stark zwischen den Branchen. Köche, Friseure und Hotelfachangestellte in spe finden ihre Ausbildung weniger gut als Verwaltungsfachangestellte, Kfz-Mechatroniker und Industriekaufleute. Ein wichtiges Merkmal für positive Bewertungen ist das Vorhandensein von Mitbestimmungsorganen wie Betriebsrat und Jugend- und Auszubildendenvertretung – hier bezeichnen sich 75,7 Prozent als »zufrieden« bzw. »sehr zufrieden«. In solchen Firmen werde die Ausbildung besser geregelt. Es gebe feste Ansprechpartner und oft Tarifverträge, sagte bei der Vorstellung des Reports DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger.
Ein Schwerpunkt der diesjährigen Befragung war die mentale Gesundheit der Auszubildenden. Danach klagt rund die Hälfte der Teilnehmer über psychische Belastungen durch Leistungsdruck, hohe Verantwortung, Personalmangel oder die Abwesenheit von Ansprechpersonen im Betrieb und in der Berufsschule. 35,4 Prozent der Azubis müssten regelmäßig Überstunden leisten. 16,3 Prozent würden »immer« oder »häufig« für ausbildungsfremde Tätigkeiten eingesetzt. »Junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung, weil sie einen Beruf lernen und darin gut werden wollen«, so Nina Krüger. »Dafür brauchen sie gute fachliche Anleitung, planbare Arbeitszeiten und Aufgaben, die wirklich zum Ausbildungsziel gehören.«
Trotz des allseits beklagten Fachkräftemangels und vorhandener freier Ausbildungsplätze, über die auch die IHK Berlin berichtet hatte, bleiben viele junge Menschen unversorgt. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack betonte, dass die duale Berufsausbildung nach wie vor erfolgreich sei. Alle sollten Zugang zu ihr erhalten. »Doch weiterhin haben 2,76 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss«, kritisierte Hannack. Ein Grund dafür sei, dass »nicht einmal mehr 19 Prozent der Betriebe« ausbilden würden. Um diesen anhaltenden Abwärtstrend umzukehren, müssten die Unternehmen in die Verantwortung genommen werden: »Wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch ausbilden.« Als Anreiz könnte eine umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie wirken, denn so würden die Ausbildungskosten solidarisch verteilt, ausbildende Betriebe gestärkt und alle Betriebe in die Verantwortung genommen. »Das Bauhauptgewerbe sowie die Länder Bremen und Berlin zeigen, dass dieser Weg möglich ist – jetzt braucht es ihn bundesweit«, sagte Hannack.
Auch wer eine Ausbildung erfolgreich absolviert hat, kann am Ende vor dem Nichts stehen: Laut Befragung wissen 37,1 Prozent der Azubis im letzten Ausbildungsjahr kurz vor dem Abschluss noch nicht, ob der Betrieb sie übernimmt. »Dabei sollte Ausbildung genau das sein: ein verlässlicher Einstieg in eine sichere berufliche Zukunft«, betonte Nina Krüger. Wichtig seien auch hier Tarifverträge, die sowohl die Ausbildungsbedingungen als auch Übernahmefragen regelten.
Die psychischen Belastungen der Azubis sind nicht allein wegen der hohen Anforderungen, Überstunden und fehlenden Übernahmeauskünfte oft hoch. Zusätzlich stresst viele der jungen Menschen ihre finanzielle Situation ebenso wie die Schwierigkeit, bezahlbaren Wohnraum zu finden. 65,3 Prozent der Befragten gaben an, von ihrer Ausbildungsvergütung »weniger gut« oder »gar nicht« selbstständig leben zu können. Nahezu ein Drittel bezieht finanzielle Hilfen der Eltern, und etwa jeder achte hat neben der Ausbildung noch einen Nebenjob. »Ausbildung muss jungen Menschen einen eigenständigen Start ins Berufsleben ermöglichen«, so Nina Krüger. »Wer eine Ausbildung beginnt, braucht eine Vergütung, die zum Leben reicht.« Der DGB fordert eine Vergütung in Höhe von mindestens 80 Prozent des Durchschnitts aller tariflichen Ausbildungsvergütungen. Außerdem müssten mehr Wohnheime für Azubis gebaut, die unbefristete Übernahme sichergestellt und das Ausbildungspersonal besser geschult werden.
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