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Sahelstaaten

Mali auf Annäherungskurs

Sechs Jahre Übergangsregierung: Bamako nimmt diplomatische Beziehungen zu Algerien wieder auf

Foto: Boubacary Bocoum/AP
Malis Interimspräsident Assimi Goïta bei einer Militärparade (Bamako, 30.4.2026)

Sechs Jahre an der Macht: In den Augen vieler Unterstützer – die wiederholt ein unbefristetes Mandat für den aus der Armee kommenden Übergangspräsidenten Assimi Goïta gefordert haben – ist dies bei weitem nicht genug. Am 18. August 2020 fand der Militärputsch gegen den am Ende seiner Amtszeit in weiten Kreisen diskreditierten und als Korruptionsförderer geltenden Staatspräsidenten Ibrahim Boubacar Keïta statt. Gegen ihn hatten sich zuvor Massendemonstrationen gerichtet. Seitdem amtiert eine Interimsregierung unter Goïta.

Am Dienstag jährte sich das auslösende Ereignis zum sechsten Mal. Überschattet wurde der Jahrestag bereits am Vortag durch ein Urteil gegen Regierungskritiker: Am 17. August wurden der Radiojournalist »Ras Bath«, mit bürgerlichem Namen Mohammed Youssouf Bathily, und die Influencerin »Rose Vie Chère« (»Rose teures Leben«, mit bürgerlichem Namen Rokia Doumbia) nach mehr als dreijähriger Untersuchungshaft zu je einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Sie waren wegen kritischer Artikel angeklagt, im Falle der Influencerin beispielsweise wegen Berichten über die Preissteigerung bei Grundbedarfsgütern. Drei Jahre wurden auf Bewährung ausgesetzt, sieben nicht. Beide wurden wegen »Diskreditierung des Staats« und »Bildung einer kriminellen Vereinigung« verurteilt.

In der Außenpolitik konnte unterdessen eine Aussöhnung mit dem nördlichen Nachbarn Algerien gefeiert werden. Die Staatsführungen in Algier und Bamako unterzeichneten am 10. Juli eine Vereinbarung, die die Wiederöffnung des seit über einem Jahr beidseitig geschlossenen Luftraums sowie die Rückkehr der im Frühjahr 2025 abgezogenen Botschafter in die beiden Hauptstädte vorsieht. Seitdem herrscht zunehmend Tauwetter. Zuvor war seit April 2025 das bilaterale Verhältnis empfindlich gestört gewesen. Am ersten jenes Monats hatte die algerische Seite eine Mali gehörende Drohne im Grenzgebiet abgeschossen.

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Der nunmehr zelebrierten Wiederannäherung waren intensive Kontakte zwischen Algerien und Malis Verbündetem in der »Allianz der Sahelstaaten«, der Republik Niger, vorausgegangen. Sie hat drei wichtige Gründe. Zum einen war eine Fortsetzung der diplomatischen Eskalation für beide Seiten schädlich, da sie besser miteinander kooperieren, um Aktivitäten von Dschihadisten, aber auch von Waffen-, Benzin-, Drogen- und anderen Schmugglern im Wüstengebiet der Sahara zumindest einzudämmen. Erst am Wochenende hatte Reuters bekanntgemacht, dass die Vereinigten Arabischen Emirate im vergangenen Jahr 50 Millionen US-Dollar Lösegeld für einen entführten Staatsbürger an die in Mali operierenden Dschihadisten gezahlt hatten. Gegen sie benötigt Bamako dringend die Unterstützung Algeriens.

Zweitens planen Niger und Algerien gemeinsam ein Pipelineprojekt, das über 4.200 Kilometer Länge Erdgas aus Nigeria ans Mittelmeer und nach Südeuropa befördern soll. Es steht in Konkurrenz mit einem Nigeria-Marokko-Pipelinevorhaben entlang der westafrikanischen Küste, das zwar mit 6.800 Kilometern eine größere Länge aufweisen würde als das rivalisierende, jedoch leichter zu sichern wäre als in den Weiten der Sahara. Am 19. Juli sprach sich ein Gipfel der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft in Freetown (Sierra Leone) für die marokkanische Option aus.

Drittens übte auch das sowohl in Algier als auch in Bamako als Verbündeter geltende Russland im Hintergrund diskreten, doch wichtigen Druck für eine solche Annäherung aus. Das betonten jüngst etwa die Website Africa Intelligence und die Pariser Abendzeitung Le Monde in ihren Berichten. Eine partielle Wiederannäherung könnte aber auch an Frankreich stattfinden, nachdem Mali die Armee der früheren Kolonialmacht im Jahr 2022 zum Abzug zwang.

Am 13. August begnadigte der malische Übergangspräsident Goïta den genau 364 Tage zuvor inhaftierten Oberleutnant des französischen Auslandsgeheimdiensts DGSE, Yann Vézilier, und 82 malische Militärs, die im selben Zeitraum verhaftet worden waren und denen Umsturzversuche vorgeworfen wurden. Vézilier hatte laut der malischen Seite seine Funktionen verschleiert, während er in Bamako stationiert war. Die Pariser Regierung dementierte dies stets. Das konservative französische Nachrichtenmagazin Le Point spricht in diesem Zusammenhang nun von einer vorsichtigen Annäherung zwischen Bamako und Paris. Es behauptet, die Ursache liege darin, dass die Kooperation mit Russland und die Kampfeinsätze des russischen »Afrika­korps« in Nordmali derzeit nicht hielten, was Malis Militärs sich von ihnen versprochen hätten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.08.2026, Seite 7, Ausland

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