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Debatte um Chiles Bergbau

Griff nach dem Kupfer

Chile: Hitzige Debatte um Teilprivatisierung des staatlichen Konzerns Codelco

Foto: ZUMA Press/IMAGO
Demonstration in Santiago gegen die Privatisierungspläne (10.8.2026)

Die Corporación Nacional del Cobre (Codelco), der größte Kupferproduzent der Welt, steht im Zentrum einer heftigen Debatte um seine Zukunft. Das chilenische Staatsunternehmen steckt mit einer Schuldenlast von etwa 25 Milliarden US-Dollar in der Krise. Die Forderung von Arturo Squella, dem Vorsitzenden der Republikanischen Partei von Präsident José Antonio Kast, einen Teil des Staatskonzerns an private Investoren zu verkaufen, führte zu scharfer Kritik aus der Belegschaft und der breiteren politischen Öffentlichkeit. Dennoch droht die Teilprivatisierung.

Obschon die Regierung eine Privatisierung der Hauptminen offiziell ablehnt, bestätigte Wirtschafts- und Bergbauminister Daniel Mas, dass der Verkauf »entbehrlicher Vermögenswerte« geprüft würde, wie der chilenische Radiosender Bio-Bio berichtete. Gemeint ist das weitverzweigte Netzwerk aus Codelco-Tochtergesellschaften, Hafeninfrastruktur, Wasserentsalzungsanlagen und Logistikbetrieben. Wichtige Teile der Wertschöpfungskette würden dann an private Investoren verkauft.

Gegen den schleichenden Ausverkauf regt sich jedoch Widerstand. Die Föderation der Kupferarbeiter (FTC) hat den Vorschlag kategorisch zurückgewiesen und angekündigt, alle erforderlichen gewerkschaftlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Codelco zu verteidigen. Eine Demonstration in der Hauptstadt Santiago unter dem Motto »Codelco gehört den Chilenen« kritisierte den Privatisierungsvorstoß Anfang der Woche ebenfalls. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Bergarbeiter von Chuquicamata, einer der größten Kupferminen der Welt, Hernán Guerrero Maluenda, erinnerte daran, dass Codelco seit seiner Gründung dem chilenischen Staat mehr als 170 Milliarden US-Dollar einbrachte und eine tragende Säule der Wirtschaft ist.

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Bei der Kundgebung vor der Codelco-Zentrale übergab die Gewerkschaft zudem einen Brief an Präsident Kast, in dem sie sich über »unklare« Aussagen der Regierung zum Thema beschwerte und eine gemeinsame Arbeitsgruppe zur Zukunft der Industrie forderte. Der Gouverneur der Bergbauregion Antofagasta, Ricardo Díaz, kritisierte zudem, dass Chile bislang vor allem unverarbeitete Kupferkonzentrate statt raffinierten Metalls exportiere und damit den wertvolleren Teil der Wertschöpfung aus der Hand gebe: »Wir brauchen Raffinerien, hören wir auf, den nationalen Reichtum zu verschenken.«

Zugleich gab die Regierung am Dienstag (Ortszeit) bekannt, für das Jahr 2025 keine Gewinne aus dem Konzern abziehen zu wollen, was einer Summe von 2,4 Milliarden US-Dollar entspricht. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte verzichtet damit der chilenische Staat auf seine Gewinne aus dem Kupfergeschäft. Normalerweise fließt ein Großteil der Codelco-Gewinne direkt in den Staatshaushalt. Das Geld soll statt dessen in Codelco selbst investiert werden. Die Schuldenlast des Unternehmens stammt aus Krediten, die aufgenommen wurden, um trotz der Gewinnabführungen größere Investitionen in Minen und konzerninfrastruktur tätigen zu können.

Der Staatskonzern ist Teil des Erbes des demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende und seiner Verstaatlichung des chilenischen Kupfers 1971. Auch in der durch einen Putsch an die Macht gelangten Militärdiktatur Pinochets blieb das Kupfer in staatlicher Hand, allerdings mussten zehn Prozent des Umsatzes direkt an das Militär abgeführt werden. Viele andere lukrative Staatsunternehmen, wie der Lithium-Gigant SQM, wurden hingegen damals an private Investoren und Günstlinge des Regimes – darunter Pinochets Schwiegersohn Julio Ponce Lerou – verscherbelt.

Die aktuelle Debatte über eine Privatisierung des chilenischen Kupfers wird in einer Zeit geführt, in der das Metall nicht nur durch die Frage der Energiewende rasant an strategischer Bedeutung gewinnt. Ein weiterer Preistreiber ist der weltweite Wettlauf um generative künstliche Intelligenz. Der Bau gigantischer Rechenzentren für die US-Techgiganten lässt die Nachfrage nach dem Leitmetall förmlich explodieren. Branchenanalysten warnen bereits vor einem globalen Angebotsengpass. Kritiker sehen in dem Vorstoß der chilenischen Rechten einen direkten Zusammenhang mit dem im März geschlossenen Kritische-Mineralien-Abkommen zwischen Chile und den USA.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.08.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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