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Hundert Jahre Fidel
Das Vermächtnis des historischen Führers der Kubanischen Revolution muss fortbestehen
Jahrhunderte faszinieren uns. Nur wenige Menschen werden hundert Jahre alt. Doch Jahrhunderte häufen sich in Form von Geschichte an, und wir betrachten unsere Vorfahren durch die verschwommene Linse der Vergangenheit. Obwohl nur wenige wirklich wissen oder selbst erfahren haben, was eine solche Zeit bedeutet, messen wir die Schritte der Menschheit in Jahrhunderten – einer Menschheit, die noch zu jung ist, um das Jahrtausend in ihrem allgemeinen Sprachgebrauch zu erfassen, und Lichtjahre davon entfernt, sich des natürlichen Rhythmus bewusst zu werden, mit dem Sterne und Planeten um uns pulsieren. Auch Dichter und Schriftsteller, jene Wesen, die sich die universelle Erzählung unserer Freuden und Leiden zu eigen gemacht haben, teilen diese uralte Faszination. Da ist der Inbegriff des Barden Silvio Rodríguez, der aus hundert Jahren Entfernung den legendären Ignacio Agramonte besingt und ihn mit Versen und Klängen wieder zum Leben erweckt. Oder der magische Gabo (Gabriel García Márquez) und seine »Hundert Jahre Einsamkeit« – eine zeitliche Umklammerung einer verfluchten Abstammungslinie, die symbolisch für jedes lateinamerikanische Dorf stehen könnte. Beispiele gibt es zuhauf, von Alejo Carpentiers »Das Jahrhundert der Lichter« bis zum Zeitalter des Perikles. Und dieses letzte Beispiel führt die politische Dimension ein.
Politiker sind in der Regel nicht von Jahrhunderten fasziniert, denn im Rahmen der Kunst des Möglichen, geleitet vom vulgärsten Pragmatismus, spielen Transzendenz und Erinnerung keine Rolle. Der kurze Zyklus, der Wahlzyklus, der persönliche Aufstieg oder der selbstgerechte Triumph der Demagogie, der so schnell verschwindet, wie er aufblüht war, genügt. Wenn ein Politiker mit dem Gewicht eines Jahrhunderts (oder mehrerer) spricht, impliziert dies ein größeres Engagement, das aus aufständischem Patriotismus oder imperialem Chauvinismus resultieren kann, aber in jedem Fall Männer und Frauen dazu verpflichtet, über die flüchtige Gegenwart hinauszublicken. Dann erst sprechen Politiker von Vermächtnis.
Als Fidel Castro und die Angreifer der Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba den Himmel im Sturm eroberten, geschah dies in dem Jahr, in dem José Martí, der säkulare Vorkämpfer unserer nationalen Identität, hundert Jahre alt geworden wäre. Wie der damals junge Anwalt Fidel später sagte, schien es so, als ob Martí im Jahr seines hundertsten Geburtstags sterben würde, und diese wagemutigen jungen Männer kämpften gegen Batista-Anhänger und Dogmatiker, um dies zu verhindern und das Land aus seiner Lethargie zu reißen. Sie mussten für Martís Traum kämpfen, damit sein Vermächtnis nicht nur ein langgehegtes Versprechen bleibt, sondern Wirklichkeit wird. Fidel nahm diese Aufgabe an. Er scheiterte im ersten Versuch, wurde inhaftiert und trauerte um viele seiner Kameraden, die im Kampf gefallen oder später grausam gefoltert und ermordet worden waren. Doch mit seiner ihm eigenen Entschlossenheit, Rückschläge in Siege zu verwandeln, gelang es ihm, diese zu überwinden und gegen alle Widerstände zu triumphieren. Und er tat es fünf Tage, fünf Monate und fünf Jahre nach jenem 26. Juli (für Liebhaber des Mystischen).
Ein Jahrhundert nach der Geburt von Fidel, zwei Jahrhunderte nach der von Martí kämpfen die Kubaner weiter. Weder Martís Traum noch Fidels Vermächtnis haben sich erfüllt. Kuba ist heute Geisel desselben Imperiums, zu dessen Feinden sich sowohl der Apostel als auch der Comandante erklärten, und versucht zu überleben, während die Welt – ob nun als Komplize oder ohnmächtig – dabei zusieht. Doch der Kampf geht weiter, nicht nur aus dem unerschütterlichen Willen heraus, die täglichen Rückschläge und Wechselfälle in Energie für Widerstand, für heroische Schöpfung, wie José Carlos Mariátegui es ausdrücken würde, umzuwandeln, sondern auch, weil es ein Akt der Feigheit und eine beschämende Widersprüchlichkeit wäre, Fidel an seinem hundertsten Geburtstag sterben zu lassen.
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