Nvidia pustet weiter in die KI-Bubble
Chiphersteller verkündet Rekordinvestitionen von 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur
Sieben Köpfe, vierzehn Daumen nach oben: Auf dem Foto, das Nvidia-Chef Jensen Huang Anfang der Woche auf der Onlineplattform X postete, posiert er mit den finanzkräftigsten Größen der Wall Street. Ein Foto, eine Botschaft: Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs, Apollo, KKR und Blackrock – die halbe US-Finanzelite stellt sich geschlossen hinter die riesenhaften Investitionen in KI-Infrastruktur, die Nvidia am Montag bekanntgab. Konkret geht es um über 500 Milliarden US-Dollar, die für Rechenzentren, Chipfabriken und Kraftwerke mobilisiert werden sollen. Details zu Zeitplan und Struktur der Finanzierung bleiben vorerst aus. Nvidia erklärte lediglich, es würden Kapitalpools in großem Umfang und zu attraktiven Anlegerkonditionen geschaffen.
Im Klartext sollen Zweckgesellschaften gegründet werden, die rechtlich vom Mutterkonzern getrennt sind und nur dazu dienen, Kapital zur Finanzierung der gefragten Rechenleistung aufzunehmen. Durch die rechtliche Trennung erscheint die Verschuldung nicht direkt in der Bilanz von Nvidia oder anderen beteiligten Konzernen – ein Konstrukt, das die wachsenden Verschuldungs- und Überhitzungsgefahren kaschieren soll.
Die Ankündigung kommt, nachdem sich jüngst die Anzeichen für das Bestehen einer veritablen Finanzblase gehäuft hatten: zirkuläre Deals, verbriefte Schuldtitel, dazu die wachsende chinesische Konkurrenz, die an den kolossalen Bewertungen der US-Anbieter kratzt. Man könnte meinen, die Bedenken sollen nicht etwa ausgeräumt, sondern lediglich unter einen Teppich aus noch mehr Kreditgeld gekehrt werden. Das scheinen die Anleger ähnlich zu sehen: Die Nvidia-Aktie fiel am Tag der Ankündigung um fast drei Prozent, bevor sie sich im nachbörslichen Handel leicht erholte. Huang sah sich genötigt, herauszugeben, das Kapital stamme von unabhängigen, langfristig orientierten institutionellen Investoren.
Ob damit die Bedenken der Investoren zerstreut werden können, ist fraglich. Nvidia unterstützt seine KI-Kunden regelmäßig dabei, sich auf den Kapitalmärkten zu verschulden – Fremdkapital, das wiederum in Nvidia-Hardware fließt und damit Nvidias eigenen Umsatz antreibt. Ein Beispiel: Für das geplante 10-Gigawatt-Rechenzentrum in Ohio, das SB Energy baut und an Open AI vermietet, verhandelt Nvidia derzeit eine Bürgschaft in Höhe von rund 250 Milliarden US-Dollar. Nvidia ist damit Bürge und Chiplieferant, SB Energy Bauherr, Open AI Mieter und Kunde – alles in einer einzigen, eng verflochtenen Kette. Damit erhöht Nvidia die Konzentrationsrisiken immer weiter. Auch die Ratingagenturen schlagen Alarm: Moody’s etwa warnt in seiner neuesten Analyse vor den schwindelerregenden Investitionen und den dadurch entstehenden schwereren Schuldenlasten.
Gebremst wird dieser Kreislauf bislang kaum. Laut Prognosen der Investmentbank Morgan Stanley werden allein die großen Techkonzerne in den kommenden zwei Jahren rund 3,5 Billionen US-Dollar investieren. Aktien, Anleihen, verbriefte Schuldtitel, Privatkredite, und was es alles gibt – jede noch verfügbare Kapitalquelle wird angezapft, weil die Eigenmittel der Unternehmen für das veranschlagte Tempo nicht mehr ausreichen. Jim Zelter von der Investmentfirma Apollo brachte die neue Logik im Gespräch mit CNBC auf den Punkt: Früher habe man sich zwischen Eigenkapitalmarkt, Anleihemarkt oder Privatkredit entschieden – heute gelte »calling all precincts, any and all«.
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