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Chinas Handel mit Afrika

100 Tage zollfrei

Nach dreieinhalb Monaten chinesischer Nullzollpolitik ziehen afrikanische Landwirte eine positive Bilanz

Foto: Tafara Mugwara/Xinhua/IMAGO
Die Handelsmaßnahme ermöglichte unter anderem Simbabwe den erstmaligen Export von Blaubeeren nach China

Etwas über 100 Tage lang herrscht seitens der Volksrepublik China eine Nullzollpolitik für Importe aus 53 afrikanischen Ländern, mit denen Beijing diplomatische Beziehungen unterhält. Anlässlich des Erreichens dieser Zeitmarke am Sonntag zog die chinesische staatliche Nachrichtenagentur Xinhua zu Wochenbeginn Bilanz. Die kann sich durchaus sehen lassen: Die Daten der chinesischen Zollbehörde zeigen, dass die Einfuhren aus Afrika in den Monaten Mai und Juni gemessen am Warenwert um gut ein Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum zugenommen haben.

Insbesondere die afrikanische Landwirtschaft profitiert laut Xinhua von der neuen Handelsregelung. So legten die Importgesamtwerte von Avocados, Äpfeln und Orangen nach Inkrafttreten der Maßnahme am 1. Mai jeweils um rund 130, 90 und 28 Prozent zu. »Die Nullzollpolitik hat unserem Geschäft neues Leben eingehaucht«, sagte Herman Uwizeyimana, Manager des ruandischen Handelsunternehmens Fischer Global der Nachrichtenagentur. So habe man sich einen größeren Auftrag für die Lieferung eingelegter Chilischoten sichern können, nachdem man in den Jahren zuvor bereits getrocknete Chilis in Richtung China exportiert hatte.

Simbabwe konnte im Juli mit dem erstmaligen Verkauf von Blaubeeren in die Volksrepublik ebenfalls einen Erfolg für seinen Agrarsektor verbuchen. Die Nullzollpolitik sei eine der signifikantesten Öffnungen im Handel für die Händler in dem südostafrikanischen Land, ließ sich Allan Majuru von der staatlichen Handelsagentur Zimtrade von Xinhua zitieren. Ähnlich positive Stimmen gab es auch aus dem südafrikanischen Weinsektor. Hier gab eine Händlerin an, mehrere Bestellungen für Ende des Jahres in Auftrag zu haben, und freute sich über die »wettbewerbsfähigere Preisgestaltung«, die durch den Wegfall der Zölle möglich würde.

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Beobachter heben die positiven qualitativen Auswirkungen entlang der Lieferkette hervor. Paul Frimpong, leitender Direktor des in Ghana ansässigen Africa-China Center for Policy and Advisory, verwies auf Verbesserungen »bei Qualitätsstandards, Verpackung, Zertifizierungsprozessen und Produktionskapazitäten« auf seiten afrikanischer Betriebe. »Für Ghana ist das eine große Chance, weil wir nicht nur Kakaobohnen, Cashewnüsse und andere unverarbeitete Güter exportieren sollten.« Vielmehr müsste auch Verarbeitung, Verpackung und Branding vor Ort geschehen, so Frimpong. Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Afrikanischen Union und Präsident von Burundi, Évariste Ndayishimiye. Die Nullzinspolitik trage zu »höheren Gewinnen bei unseren Produkten, der Schaffung nachhaltiger Jobs für unsere Jugend und vor allem zur Entwicklung lokaler Verarbeitungskapazitäten bei, so dass der Mehrwert auf dem afrikanischen Kontinent bleibt«, bei.

Chinesische Unternehmen profitieren ihrerseits zunächst von billigeren Rohwaren. Der ruandische Chilischotenexporteur Uwizeyimana gab beispielsweise an, seine Güter seien für die Herstellung von Instantnudelgerichten vorgesehen. Zugleich stiegen die Exporte von Technologie aus China nach Afrika, beispielsweise von elektromechanischen Produkten, laut dem chinesischen Zoll um rund 29 Prozent. Drei Viertel der chinesischen Ausfuhren seien zudem Produkte, die in den afrikanischen Ländern zur Industrialisierung und landwirtschaftlichen Modernisierung eingesetzt würden, so Xinhua.

Die makropolitische Kalkulation Beijings liegt dabei auf der Hand: Inmitten von weltwirtschaftlichen Turbulenzen sichert es sich das Wohlwollen von jenen Ländern, die von den wichtigsten Rivalen im freien Westen sonst nur wenig beachtet werden. China kostet der Verzicht auf die Zölle verhältnismäßig wenig, während der Zugewinn an »Soft Power« signifikant sein dürfte. Sie dient ferner zur Besänftigung jener Stimmen, die vor einem überbordenden Handelsdefizit der Volksrepublik mit dem afrikanischen Kontinent warnen, und trägt damit auch dazu bei, afrikanische Länder, in denen wichtige Rohstoffe wie Kobalt und Uran produziert werden, nicht zu verprellen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.08.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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