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Kritische Rohstoffe

Lieferketten weiterhin Produktionsrisiko

IW-Studie: Deutsche Unternehmen sorgen sich um Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen

Foto: IMAGO/Panama Pictures
Woher nehmen, wenn nicht stehlen, die kritischen Rohstoffe?

Die BRD weint dieser Tage ihrer Zeit als Exportweltmeister nach. Ihr aktueller schwieriger Stand in der globalen Staatenkonkurrenz hat verschiedene Ursachen – darunter auch, dass immer schwerer ins Gewicht fällt, dass ein Land, das Autos, Maschinen und ähnliches exportieren will, dennoch die Rohware für seine Produkte irgendwo herbekommen muss. Die EU und die Bundesrepublik hängen aber beim Ausbau eigener Produktionskapazitäten bei als kritisch eingeschätzten Rohstoffen deutlich hinterher, moniert das kapitalnahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer am Donnerstag publizierten Studie. Sechs von zehn der Unternehmen, die auf diese Ressourcen angewiesen seien, treibt demnach die Sorge vor Produktionsstopps um.

Von den insgesamt 900 vom IW befragten Unternehmen seien zwar nur etwa elf Prozent direkt oder indirekt von als kritisch angesehenen Rohstoffen abhängig, jedoch sind dabei für die deutsche Wirtschaft wichtige Branchen, wie die Metall-, Elektro- und Fahrzeugindustrie besonders stark vertreten. Zudem zeigten sich indirekte Dependenzen oft entlang von Lieferketten und würden daher möglicherweise unterschätzt, warnt das IW weiter.

Insbesondere die dominante Rolle Chinas auf dem Rohstoffmarkt bereitet den Studienautoren Sorgen. Die Volksrepublik hatte 2025 in Reaktion auf den von den USA begonnenen Handelskrieg weitreichende Ausfuhrbeschränkungen insbesondere auf seltene Erden verhängt. Diese sind Grundstoffe zahlreicher Komponenten moderner Technologien – vom Smartphone bis zum Elektroauto. 88 Prozent der betreffenden Befragten rechnen laut IW für den Fall, dass China in diesem Bereich abermals die Daumenschrauben anzieht, mit höheren Beschaffungskosten, 71 Prozent mit Lieferengpässen, 40 Prozent mit dem resultierenden Verlust von Kunden. »Lieferausfälle können schnell in Produktionsprobleme umschlagen oder die Existenz ganzer Betriebe gefährden«, warnt Studienautorin Adriana Neligan. »China nutzt seine Rohstoffmacht strategisch«, machte sie weiter fremdländische Unverschämtheiten aus.

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Zu den »kritischen Rohstoffen« gehören nach der Kategorisierung des IW nicht nur die 17 seltenen Erden, sondern beispielsweise auch Kobalt (etwa für die Produktion von E-Autos benötigt), Graphit, Chrom und vergleichsweise ordinäre Metalle wie Silber, Kupfer und Aluminium. Sie zeichnen sich durch Faktoren wie geringe Ersetzbarkeit und hohe Marktmachtkonzentration bei einzelnen Akteuren aus.

Das IW beklagt mangelnde Fortschritte bei den Unabhängigkeitsbestrebungen der EU im Rohstoffbereich. Mit der im »Critical Raw Materials Act« von 2024 beschlossenen Strategie zur Ausweitung heimischer Abbau- und Aufbereitungsaktivitäten gehe es zu langsam voran, Genehmigungsverfahren würden »Jahre« dauern. Somit fiele es den hiesigen Unternehmen selbst zu, sich um ihre Vorsorge zu kümmern, monieren die Studienautoren. »Die Politik muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass eine bessere Absicherung überhaupt möglich wird«, fordert Neligan.

Im Bereich des internationalen Rohstoffhandels stehen aktuell jedoch eher die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und China im Fokus der Aufmerksamkeit. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch berichtete, plant Washington, Mindestpreise und Einfuhrzölle auf Polysilizium und anverwandte Produkte zu verhängen. Polysilizium ist eine extrem reine Siliziumform und steht am Beginn der gesamten Chip- und Solarfertigungskette. China habe bisher einen Anteil von 80 Prozent an der weltweiten Produktion von sogenannten Wafern, also Siliziumplatten, die als Grundlage weiterer Produkte dienen. Der Schritt soll der US-Produktion von Wafern einen Schub geben. Das chinesische Handelsministerium reagierte mit Gegenmaßnahmen und belegte mehrere US-Firmen – darunter solche, die beispielsweise durch Lieferkettenanalysen an der Durchsetzung von Handelsrestriktionen gegen die Volksrepublik beteiligt sind – mit Sanktionen. Das neueste Kapitel im Handelsstreit kommt kurz bevor im September Chinas Präsident Xi Jinping zum Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten erwartet wird.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.08.2026, Seite 5, Inland

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