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Seguin führt RPR-Fraktion

Frankreich: Juppé legt heute Parteivorsitz nieder

Der bisherige französische Parlamentspräsident Philippe Seguin ist am Dienstag in Paris zum neuen Fraktionsvorsitzenden der Gaullistenbewegung RPR in der Nationalversammlung gewählt worden. Der 54jährige war der einzige Kandidat. Der neue Fraktionschef ist nach dem Wahldebakel der bürgerlichen Rechtsparteien der heftigste parteiinterne Widersacher des amtierenden RPR- Vorsitzenden Alain Juppé. Seguin hat bereits angekündigt, bei einem Sonderparteitag im Juli für dessen Nachfolge zu kandidieren. Der gescheiterte Premierminister Juppé steht auch als Parteichef erheblich unter Druck. Nach Informationen der Tageszeitung Libération vom Dienstag will Juppé heute bei einer Sitzung der RPR-Führung den Vorsitz niederlegen.

Im Konflikt um die Parteispitze kann Seguin auf die Unterstützung führender RPR-Politiker zählen. Unter anderem haben sich der Altgaullist Charles Pasqua und das Lager um den früheren Premierminister Edouard Balladur für ihn ausgesprochen. Am Montag ging auch einer der engsten Vertrauten Juppés, der bisherige Innenminister Jean-Louis Debré, auf Distanz zu dem 51jährigen: »Ich glaube, die Zeit für einen Personenwechsel ist gekommen«, sagte Debré. Die Gaullistenbewegung war vor zwei Jahrzehnten von Chirac gegründet worden.

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Die vorgezogenen Neuwahlen hatten für die RPR und ihren kleineren Koalitionspartner in einem Debakel geendet. Aus der Vier-Fünftel-Mehrheit, mit der die rechtsbürgerlichen Parteien seit 1993 regierten, mußten sie in die Opposition. Bei einem Wahlsieg der rechtsbürgerlichen Parteien hätte Seguin voraussichtlich die Nachfolge von Juppé als Premierminister angetreten.

AFP/jW

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.06.1997, Seite 0, Ausland

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